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Implantat nach langem Zögern


Ralf T

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Hallo miteinander,

 

ich muss gestehen, bei Zahngeschichten bin ich kein großer Held. Vorletztes Jahr habe ich auf wiederholtes anraten meiner Zahnärztin einen von drei bisher wurzelbehandelten Zähnen überkronen lassen. Sie hatte Angst, der Zahn könnte zerbrechen, da er auch schon sehr großrämig gefüllt war. Und dann hatte ich Pech. Ein anderer Zahn, der ebenfalls bereits wurzelbehandelt war, ist mir im Frühjahr 2018 zerbrochen und musste gezogen werden. Eine Brücke wollte ich nicht, sondern eher ein Implantat. Nun habe ich die Sache aber ewig vor mir hergeschoben, aus Bammel vor diesem kieferchirurgischen Eingriff. Bei dem Gedanken daran, dass in den Knochen gebohrt werden muss, sträubten sich mir schon die Nackenhaare. Aber trotzdem hab ich es dann geschafft, das Ganze letzte Woche machen zu lassen. Ich war bei einer Kieferchirurgin, die mir aus meinem Bekanntenkreis empfohlen wurde. Sie hat das Implantat unter Marcumar gesetzt, allerdings mit abgesenktem INR. Ich habe mir zum Absenken des INR ca. 10 Tage Zeit genommen, und einige Teststreifen "verballert". Das hat sich rentiert, denn am Donnerstag hatte ich exakt den vereinbarten Bereich getroffen (2,0).

Der Eingriff war denn auch auszuhalten. Gerade das Bohren in den Knochen und auch das Eindrehen des Implantats, das ich mir zuvor allzu dramatisch vorgestellt hatte, ging zügig und schmerzfrei vonstatten. Unangenehm aber war, und das hatte ich durch meinen langen Aufschub selbst verschuldet, dass der Knochen sich schon etwas zurück gebildet hatte und daher einer netten Sonderbehandlung bedurfte. Das Bohrloch für das Implantat wurde klein gebohrt, und dann anschließend mit einem Dorn aufgeweitet. Die Klopferei war gar nicht schön. zusätzlich wurde noch etwas Knochenaufbamaterial angebracht und anschließend die Wunde komplett zugenäht, damit es geschlossen einheilen kann.

Im Nachgang betrachtet war die Sache nicht wirklich dramatisch, es gab auch keine Komplikationen oder Blutungen. Den restlichen Donnerstag habe ich dann am Sofa mit Kühlpad auf der Backe verbracht.  Schmerzen hatt ich nur leichte, und auch keine große Schwellung. Am Freitag wurden die Nähte nochmal kontrolliert, alles gut. Und am Wochenende war ich schon wieder ziemlich aktiv, sogar eine Radltour am Sonntag war drin. Übermorgen ist dann nochmal Nachkontrolle und die Fäden werden gezogen.

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, den letzten wurzelbehandelten Kandidaten auch noch überkronen zu lassen, und natürlich freue ich mich darauf, dass im Sommer nach dem Einheilen des Implantats auch endlich die Zahnlücke geschlossen werden kann. Auch wenn ich mich an die mittlerweile ja schon sehr gut gewöhnt hatte ;-)

 

Gruß, Ralf

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Hallo Ralf,

 

bei mir ist gestern auch der letzte "Akt" im Thema Implantat gefallen. Ich habe mir bei meinem Zahnarzt den neuen Zahn "abgeholt". In Summe vom der Zerspitterung eines Zahnes bis gestern habe ich mir gut 1,5 Jahre Zeit gelassen,

Ansonsten kann ich den Ablauf wie Du in geschildert hast nur bestätigen bis auf den Teil mit der Absenkung des INR. Dies wollte mein Chirurg nicht und deswegen habe ich die entsprechende Zeit wieder mit Clexane überbrückt. Auch dies war komplikationslos.

Der Kieferchirurg musste sich in meinem Kiefer auch etwas "Platz" schaffen und brach ihn gezielt an dieser Stelle. Das hört sich jetzt sehr marzialisch an, kling aber schlimmer als es ist. Die Betäubung verhindert alle Schmerzen. Danach wirklich zwei Tage schonen und es kamm acu nucht zu Nachblutungen.

 

Alle Gute und bye, Roland

 

 

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Hallo Roland,

 

aufgebrochen wurde bei mir zum Glück nichts. Offenbar kann man einen Knochen tatsächlich etwas aufdehnen ohne dass er bricht, so habe ich das zumindest verstanden. Die Schläge auf den Dorn der das Loch vergrößert übertragen sich aber vom Oberkiefer aus prima in den restlichen Schädel, das fand ich trotz super Betäubung nicht lustig. Nicht wirklich schmerzhaft, aber trotzden höchst unangenehm.

 

Wie wurde das bei Dir mit der Endokarditis Prophylaxe gehandhabt?

Ich wurde mit der übliche Prophylaxe (1g Amoxi eine Stunde vor dem Eingriff), und zusätzlich noch eine Tablette am Abend davor, und je 2 für die anschließenden fünf Tage danach versorgt. Zweiteres kannte ich so noch nicht - habs aber trotzdem geschluckt.

 

Gruß, Ralf

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Hallo Ralf,

 

ich handhabe dies auch so nach der Methode, die ich mir 1994 angeignet habe. 1g Amoxi eine Stunde vorher und ich nehme nach solch einem Eingriff, wenn die Betäubung nachlässt nochmals 3g Amoxi. Das ist nach neueren Erkenntnis eigenlich etwas übertriebn, aber ich fühle mich sicherer und das zählt.

 

Bei "normalen" zahnärztlichen Eingriffen nehme ich aber auch nur 1g Amoxi eine Srtunde vorher und dann etwas später nochmal 1g.

 

Bye, Roland

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Hallo,

 

nach den aktuellen Leitlinien sollen 2g Amoxi 30 bis 60 Minuten vor dem Eingriff eingenommen werden. Ob eure Methoden genauso „sicher“ sind, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Wenn es bei mir sehr blutig war, nehme ich am Abend nach der Behandlung auch noch eine dritte Tablette.

 

Grüße
Dietmar

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Hallo Ralf,

bin gerade etwas irritiert dass bei ein Implantat gesetzt werden konnte, zugleich freut es mich für dich :-)
Zur Erläuterung:
Bei mir ist ein Schneidezahn lose, und lt. meinem Zahnarzt auch nicht zu retten. Da bei mir im Unterkiefer alle Schneidezähne 5 mm zu wenig im Kiefer stecken, und ich jahrelang unter Parondontitis gelitten habe, und dadurch mein Zahnfleisch ebenfalls recht freizügig ist, gibt er den restlichen 3 Schneidezähnen auch nicht mehr lange :-(
Sein Vorschlag letzten Oktober war, er würde alle 4 Schneidezähne unten ziehen und auf den Eckzähnen aufbauend überbrücken. Auf meine Frage nach Implantaten hat er mir davon abgeraten, aufgrund meiner Herzklappe und der Marcumareinnahme. Deswegen würden Implantate auch nicht wirklich lange halten, so seine Meinung.

Kurz nach dem Besuch habe ich auch festgestellt, dass der dritte Backenzahn links hinten auch schon etwas lose ist. Das würde im Falle einer Brückenlösung ja bedeuten, dass der eine Eckzahn dann sowohl die Frontbrücke, als auch die Backenbrücke dann tragen müsste.
Und was mache ich wenn der Eckzahn irgendwann mal nicht mehr will...???


Ein Besuch bei einem Kieferchirurgen für eine Zweitmeinung brachte leider das gleiche Ergebnis, auch er würde sowohl von einem Knochenaufbau als auch von Implantaten abraten, bzw. beides auch nicht durchführen wegen meinem Herzen....

Bislang schiebe ich eine mögliche Entscheidung noch möglichst lange raus, aber der Schneidezahn wird ja leider auch nicht fester.

 

Am liebsten wären mir ebenfalls Implantate, auch wenn die sicherlich teurer sein werden als die Brückenlösung.

Weißt du schon wie hoch dein Eigenanteil für das Implantat ist?

Zu was würdet ihr mir in meiner Lage raten? Haltet ihr die Implantatlösung für jeden geeignet?

VG Wolfgang
 

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Hallo Wolfgang,

 

zum Finanziellen: Das Implantat (also nur der Gewindeeinsatz im Kieferknochen) zahlt die Kasse gar nicht, Eigenanteil also 100%. Meines kostet etwa 1000,-. Für die Krone, die dann die Zahnärztin drauf setzt zahlt die Kasse etwas dazu, ich weiß aber den Anteil nicht. Da gib'ts auch etwas mehr wenn man brav sein Bonusheft gefüllt hat ;-)  (also ich nicht...)

Ist also in Summe kein Schnäppchen, und in meinen Augen lässt einen die Kasse da ganz schön im Stich, aber das ist ein anderes Thema....

Die Haltung Deines Zahnarztes und Deines Chirurgen kann ich nach meiner Erfahrung nicht nachvollziehen. Das Ziehen des zerbrochenen Zahnes hat bei mir deutlich mehr geblutet als das Setzen des Implantates. Ist ja auch naheliegend: Beim Ziehen des Zahnes bleibt ein Loch im Kiefer offen, beim Setzen des Implantates wird zwar in den Knochen gebohrt, das Loch aber anschließend sofort mit dem Implantat verschlossen.

Das Einheilen des Implantates kann entweder komplett geschlossen (Zahnfleisch wird über dem Implantat, in dem eine Kappe steckt,  zugenäht) oder offen (ein kurzer provisorischer Stumpf ist im Implantat befestigt und ragt aus dem Zahnfleisch) erfolgen. Ich habe im Hinblick auf die Endikarditisproblematik auf die erste Variante bestanden. Ich muss zwar dann vor der Versorgung mit einer Krone das ganze nochmal aufschneiden und freilegen lassen, aber dafür ist das ganze jetzt 100%ig "versiegelt", und ich brauche mir um ein Eindringen von Keimen keine Sorgen machen.

An Deiner Stelle würde ich mal einen anderen Zahnarzt/Kieferchirurg befragen. Ich denke viele Ärzte haben überzogene Vorstellungen von unserem Blutungsrisiko. Ob in Deinem Kieferknochen ein Implantat sicher verankert werden kann, wird ein Kieferchirurg sicher beurteilen können (bei mir wurde ein 3D CT dazu angefertigt, das ich ebenfalls selbst bezahlt habe). Wieso das unter Marcumar dann schlechter einheilen sollte als ohne kann ich auch nicht nachvollziehen. Noch ist es bei  mir zwar nicht so weit, aber ich gehe schwer davon aus, dass ich in 6 Monaten eine haltbare Krone auf das Teil bekomme. Ich wollte übrigens keine Brücke, weil man dafür einen der wenigen bisher ungefüllten Zähne hatte anbohren müssen. In Deinem Fall ist das dann ja noch wesentlich dramatischer. Da würde ich mit meinem laienhaften Verständis auch auch alle Fälle ein Implantat bevorzugen.

 

LG Ralf

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Hallo Ralf,

vielen Dank für deine Einschätzung, die ich ja grundsätzlich ebenso sehe.
Zum Verständnis des finanziellen, 1 Implantat kostet schon 1000 € zu 100% selbst zu zahlen? Oh je, das alleine wären ja bei mir schon mindestens 2000 €... :-(

Ich glaube beiden Ärzten ging es gar nicht so sehr um die Blutungsgefahr, als vielmehr um eine Endokarditis (trotz Prophylaxe) und einer schlechten Haltbarkeit des Implantats aufgrund der Marcumareinnahme. So habe ich meinen Zahnarzt verstanden.

Aber du hast recht, ich werde noch einen weiteren Arzt befragen, bzw. um einen Beratungstermin in unserem städtischen Klinikum bitten.
Dort kennen sie sich wenigstens mit allen Problematiken aus, und könnten mich sicherlich stationär behandeln wenn es erforderlich wäre.
Wobei sich bei dieser Variante noch mehr die Frage nach den Kosten stellen würde.... :-(

Eigentlich würde ich meine Zähne (idealerweise inklusive Knochenaufbau wenn erforderlich) bei Dentaprime in Bulgarien machen lassen, alleine schon aufgrund der Kosten. Ein gefülltes Bonusheft kann ich nämlich auch nicht vorweisen, und da ich Arbeitnehmer bin bleiben alle Kosten an mir hängen ;-)
Aber auch dazu brauche ich ja erst einmal einen Behandlungs- und Kostenplan.

Vielleicht hat ja jemand hier Erfahrung mit einer Behandlung bei Dentaprime?

VG Wolfgang

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Meine oma muss seit vielen jahren marcumar wegen vorhofflimmern nehmen und hat sich mit weit über 70 statt ihrer falschen zähne, die sie schon lange hatte, implantate machen lassen. Ich kann mich jetzt nicht erinnern, wann genau die implantate gemacht wurden, aber sie halten auf jeden fall schon deutlich mehr als 5 jahre ohne probleme.

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Ich habe jetzt am 01.04. einen Beratungstermin in der Klinik für Mund, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, bei uns im Städtischen Klinikum Braunschweig.
Mal sehen was die mir raten. Dort haben sie zumindest Erfahrungen auf diesen Gebiet, auch mit Knochenaufbau, und insbesondere mit Herzpatienten inkl. Marcumareinnahme.

Ich werde dann berichten.
VG Wolfgang

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  • 1 year later...

Hatte ganz vergessen hier Erfolg zu melden:

seit November 2019 habe ich nun anstelle einer doofen Zahnlücke wieder einen "Zahn" im Mund. Es wurde eine Keramikkrone auf das mittlerweile fest eingewachsenem Implantat aufgesetzt. Das Teil sieht ziemlich gut aus, und ich kann nun wieder ganz normal kauen. Bisher also ein voller Erfolg ;-)

 

LG Ralf

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Hallo Ralf,
das freut mich für dich, dass das so gut geklappt hat.
Ich lebe nun seit Januar mit einer Brücke im Unterkiefer anstelle der vier gezogenen Schneidezähne.
Im Oberkiefer habe ich jetzt nur noch eine Lücke wo die beiden letzten Backenzähne saßen. Aber damit kann ich leben, und die Kosten haben sich alles in allem, auch aufgrund der sofort abgeschlossenen Ergo Versicherung,  noch im Rahmen gehalten.
VG Wolfgang

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