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Risikofaktor Lipoprotein (klein) a - wer kennt seinen Wert? Was hilft Euch?


MajaD

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Hallo Ihr Lieben,

Angesichts der Tatsache, dass mein Hausarzt mich vor zwei Jahren wegen meines Wunschs, u. a. diesen Wert als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen bestimmen zu lassen (nach meiner Diagnose der hochgradigen bikuspiden Aortenklappenstenose), nicht mehr als Patientin haben wollte (nach seinen Aussagen bestehe kein Vertrauensverhältnis mehr, da ich seine Kompetenz in Sachen Laborwerte anzweifele), bin ich gespannt, wie viele von Euch diesen Wert kennen und wenn ja, ob Ihr selbst darauf gekommen seid, ihn bestimmen zu lassen oder ob Eure Ärzte Euch von sich aus darauf hingewiesen haben.

Fachleute empfehlen, Lipoprotein a wenigstens einmal im Leben zu testen, da der Wert, da genetisch determiniert und bei ca. 20% unserer Bevölkerung erhöht, ein wichtiger, nicht zu unterschätzender Faktor ist, der sehr zu verstärkter Gerinnung und Plaque-Bildung beitragen kann.

Lipoprotein a ist einer der höchsten Risikofaktoren, was Fettwerte angeht, also mit sehr hohem atherogenen Risiko (das "normale" Cholesterin, LDL und HDL dagegen haben insgesamt relativ wenig Aussagekraft) UND dabei genetisch determiniert.
Es gibt weitere Werte, die wichtig zur Risikoabschätzung sind wie Homocystein, Oxidiertes LDL, sdLDL, Triglyzeride, HOMA-Index (Insulinresistenz) etc. (chrome-extension://efaidnbmnnnibpcajpcglclefindmkaj/https://www.labor-limbach.de/fileadmin/downloads/Arztinformationen/LaborAktuell/LaborAktuell_Kleine_dichte_LDL.pdf) - leider scheinen die wenigsten Ärzte (und Kardiologen) diese tatsächlich auf dem Schirm zu haben.

Bisher gibt es kein schulmedizinisches Medikament, das dagegen wirkt, allerdings einige sinnvolle Nahrungsergänzungen.

Obwohl wir selbst Herz-Kreislauf-Probleme von meines Vaters Seite zuhauf in der Familie haben, bin ich immer davon ausgegangen, im Leben davon nicht betroffen zu sein, da ich immer einen niedrigen Blutdruck hatte/habe und meine anderen oben genannten Werte alle immer top waren (außer HOMA-Index - die Insulinresistenz ist auch nicht zu verachten, aber auch die wollte mein damaliger Hausarzt nicht testen lassen). 
sdLDL habe ich noch nicht testen lassen, da das Labor das nicht misst  - mein jetziger Hausarzt würde es auch gern mal bestimmen lassen, dafür müsste es an ein anderes Labor geschickt werden.

Lange Rede - kurzer Sinn: Wenigstens einmal im Leben sollte Lipoprotein a bestimmt werden und falls man das große Los gezogen hat (wie ich mit zwei erblichen, bis vor zwei Jahren unbekannten Faktoren: bikuspide Aortenklappe und Lipo a erhöht; bei einer meiner Töchter ist es auch deutlich zu hoch, die anderen in der Familie haben es meines Wissens noch nicht bestimmen lassen), kann man dennoch einiges tun - ich habe mich z. B. hier orientiert und mein Wert ist tatsächlich auch deutlich gesunken:

https://naturaldoping.de/lipoprotein-a-senken-herzinfarkt-risiko-minimieren/

Von den hier erwähnten NEM hilft mir besonders Niacin (es muss aber eins sein, das einen Flush macht - ich nehme ein "Sustained Release Niacin"), Carnitin, Coenzym Q 10 etc.  - immerhin war mein Wert letztens nur noch wenig über dem Grenzwert.

Wer von Euch hat auch erhöhtes Lipoprotein a und was hilft Euch am besten? 

LG MajaD.

 

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Hallo Maja,

vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Beitrag!

Du sprichst da ein Thema an, das vielleicht viele betrifft und leider oft unter dem Radar von Ärzten fliegt. Deine Hartnäckigkeit, das Thema trotz des Widerstands deines damaligen Hausarztes zu verfolgen, finde ich bemerkenswert.

 

Ich muss gestehen, dass das Thema für mich sehr komplex ist.

Ich verlasse mich persönlich eigentlich immer auf die Schulmedizin und die Aussagen meiner Ärzte.

Weil dein Post aber so viele interessante Punkte aufwirft, habe ich ihn tatsächlich mal durch ChatGPT laufen lassen, um die verschiedenen Informationen und die dazugehörigen wissenschaftlichen Quellen für mich zu sortieren und besser einordnen zu können. Herausgekommen ist eine Einschätzung, die ich gerne mit dir und den anderen hier teilen würde.

 

Was ich absolut nachvollziehen kann und was sich mit meiner Recherche deckt:

 

Du hast völlig recht:

 

Lipoprotein (a) ist ein riesiger, oft unterschätzter Risikofaktor. Dass du darauf aufmerksam machst, ist sehr wertvoll. Die Punkte, dass der Wert genetisch ist, ein Leben lang stabil bleibt und dass eine einmalige Testung von Fachleuten empfohlen wird, sind goldrichtig.

Auch der Zusammenhang zwischen einem hohen Lp(a) und einer Aortenklappenstenose ist wissenschaftlich belegt und erklärt, warum das gerade für dich so ein wichtiges Thema ist.

 

Wo ich nach meiner Auswertung eine etwas andere Perspektive bekommen habe:

 

Der für mich wichtigste Punkt war die Einordnung des LDL-Cholesterins. Du schreibst, es habe relativ wenig Aussagekraft. Meine Recherche hat ergeben, dass das LDL-Cholesterin nach wie vor der wichtigste behandelbare Risikofaktor ist.

Die moderne Sichtweise scheint zu sein: Das Lp(a) ist ein wichtiger zusätzlicher Risikofaktor, der das Bild komplettiert. Man sollte also beides im Blick haben und das eine nicht gegen das andere ausspielen.

 

Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben das 2022 in einem gemeinsamen Positionspapier ganz klar formuliert. Dort heißt es: „Bei erhöhtem Lp(a) ist eine konsequente und intensive Reduktion aller modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren von besonderer Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Reduktion des LDL.“ (Quelle: DACH-Konsensus zum Risikofaktor Lipoprotein(a)).

 

Auch die offiziellen Leitlinien der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft (ESC), an denen sich unsere Ärzte orientieren, sagen genau das.

Und selbst Patienteninformationen, wie die der Deutschen Herzstiftung, erklären verständlich, dass die konsequente LDL-Senkung der wichtigste Hebel ist, den wir aktuell haben, um das durch Lp(a) erhöhte Risiko zu senken (Quelle: Deutsche Herzstiftung: Lipoprotein(a)).

 

Wo ich persönlich sehr vorsichtig wäre (und das ist meine ganz persönliche Meinung):

 

Das ist der Bereich der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) als Therapie.

Hier habe ich nach meiner Recherche große Bedenken:

 

 * Niacin:

Du hast recht, es kann den Laborwert des Lp(a) senken. Was mich aber schockiert hat, ist die Tatsache, dass riesige medizinische Studien diesen Ansatz bereits untersucht haben – mit negativem Ergebnis. Die entscheidende Frage ist ja nicht "Sinkt der Wert?", sondern "Führt das zu weniger Herzinfarkten?".

 

   * Die AIM-HIGH Studie wurde sogar vorzeitig abgebrochen, weil Niacin (zusätzlich zu einem Statin) absolut keinen Vorteil gegenüber dem Statin allein brachte (Quelle: AIM-HIGH Studie, NEJM 2011).

 

   * Die noch größere HPS2-THRIVE Studie mit über 25.000 Patienten kam zum selben Ergebnis: Niacin verhinderte keine Herzinfarkte, führte aber zu signifikant mehr ernsthaften Nebenwirkungen wie Leberproblemen, Infektionen und Blutungen (Quelle: HPS2-THRIVE Studie, NEJM 2014).

Diese Ergebnisse sind der Grund, warum Niacin von den Fachgesellschaften heute nicht mehr zur Risikoreduktion empfohlen wird.

 

 * Deine persönliche Erfahrung: Es ist echt erfreulich, dass dein Wert gesunken ist! Das ist ein toller Erfolg. Das wäre in der Medizin eine "anekdotische Evidenz" – ein Einzelfall, der leider nicht die Ergebnisse der großen Studien widerlegt und nicht beweist, dass es bei allen anderen auch so funktioniert oder das Risiko für Ereignisse wirklich mindert.

 

 

Mein persönliches Fazit:

 

Dein Beitrag hat mir die Augen für die Wichtigkeit von Lp(a) geöffnet – danke dafür! Ich werde meinen Wert bei nächster Gelegenheit auch mal bestimmen lassen, oder zumindest den Arzt danach fragen.

 

Was die Behandlung angeht, bleibe ich aber bei meinem Weg, mich auf die evidenzbasierte Schulmedizin zu verlassen.

Das heißt für mich, gestützt auf die oben genannten Quellen: Alle bewiesenermaßen beeinflussbaren Risikofaktoren (allen voran das LDL) gemeinsam mit meinem Arzt weiterhin niedrig halten und auf die neuen, spezifischen Lp(a)-Medikamente hoffen (falls der Wert erhöht sein sollte), die ja bereits in der Entwicklung sind und hoffentlich bald eine sichere und nachweislich wirksame Option bieten.

Nochmal danke für den Anstoß zum Nachdenken!

 

Liebe Grüße,

Lucky boy

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Hallo MajaD,

 

Lipoprotein a ist zweifellos ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor.
 

Wenngleich derzeit kein Medikament auf dem Markt ist wird hier natürlich viel geforscht. Ein Beispiel dazu:

 

https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4914428

 

Es wird aber sicher noch ein paar Jahre dauern bis hier etwas (wie das Medikament im Link) auf dem Markt kommt.

 

Gruß,

 

Tobi

 

p.s.: mein Lipoprotein a liegt zum Glück recht niedrig.

Posted

Hallo @lucky boy,

danke für Deine sehr interessante Recherche. Ich finde es klasse, dass wir uns hier sachlich austauschen können, auch wenn wir vielleicht unterschiedliche Schlüsse aus dem Gesagten ziehen.

Für mich persönlich sieht das Gesamtbild so aus: Auch ich nutze die KI zum Recherchieren und stelle fest, dass von ihr getroffene Aussagen manchmal nur die "halbe Wahrheit" sind.
Deshalb nutze ich auch nach wie vor andere Quellen, meine Erfahrungen und die anderer Therapeuten, selbst wenn sie "nur" anekdotisch sind.
Manchmal ergibt schon eine andere Fragestellung eine ganz andere Antwort! Natürlich ist es jedermanns eigene Sache, welchen Schluss man für sich ziehen mag und auf was man sich letztendlich lieber verlässt. 

Zur Ergänzung habe ich ebenfalls die KI genutzt (perplexity) statt in meinen Unterlagen und Büchern zu kramen und zitiere hier die Antworten auf weitere Fragen:

Welche Gewichtung haben Lipoprotein a, Homocystein, Oxidiertes LDL, sdLDL, Triglyzeride und HOMA-Index im Vergleich zu Gesamtcholesterin, HDL und LDL bei der Beurteilung der Risiken für eine Herz-Kreislauferkrankung?

 

Gewichtung moderner und klassischer Risikomarker für Herz-Kreislauferkrankungen

Die Risikobewertung für Herz-Kreislauferkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen, KHK) basiert traditionell auf Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin. In den letzten Jahren gewinnen jedoch weitere Marker wie Lipoprotein(a), Homocystein, oxidiertes LDL, sdLDL, Triglyzeride und der HOMA-Index zunehmend an Bedeutung. Die folgende Übersicht stellt die Gewichtung dieser Marker im Vergleich dar.

Klassische Marker

Marker Bedeutung für das Risiko Hinweise
Gesamtcholesterin Moderat Erhöhtes Gesamtcholesterin ist mit einem erhöhten Risiko assoziiert, aber weniger spezifisch als LDL.
LDL-Cholesterin Hoch LDL ist ein etablierter, kausaler Risikofaktor für Atherosklerose und KHK.
HDL-Cholesterin Umgekehrt assoziiert Niedriges HDL ist mit erhöhtem Risiko assoziiert, aber hohe Werte sind nicht zwingend protektiv.
 

Erweiterte/Moderne Marker

Marker Bedeutung für das Risiko Hinweise
Lipoprotein(a) Hoch, unabhängig von LDL Lp(a) ist ein unabhängiger, genetisch determinierter Risikofaktor. Werte >30 mg/dl (75 nmol/l) erhöhen das Risiko signifikant, auch bei normalen LDL-Werten.
Homocystein Moderat bis hoch Erhöhte Homocysteinspiegel (>90. Perzentil) sind mit einem 1,35- bis 1,8-fach erhöhten Risiko assoziiert. Die Kausalität ist jedoch weniger eindeutig als bei LDL.
Oxidiertes LDL Hoch, prädiktiv Oxidiertes LDL ist ein starker Marker für das Vorliegen und die Progression der Atherosklerose, teils stärker als Gesamt-LDL.
sdLDL (small dense LDL) Hoch, stärker als LDL sdLDL ist besonders atherogen, da es leichter oxidiert und die Gefäßwand penetriert. Das Risiko steigt mit dem sdLDL-Anteil stärker als mit Gesamt-LDL.
Triglyzeride Moderat, v. a. bei Insulinresistenz Erhöhte Triglyzeride sind mit einem erhöhten Risiko assoziiert, insbesondere im Kontext von Insulinresistenz und niedrigem HDL. Das Risiko ist unabhängig von LDL messbar.
HOMA-Index Hoch bei Insulinresistenz Der HOMA-Index (Insulinresistenz) ist ein unabhängiger Prädiktor für kardiovaskuläre Ereignisse, auch unabhängig von klassischen Lipidwerten.
 

Interpretation und klinische Relevanz

  • LDL-Cholesterin bleibt der wichtigste modifizierbare Risikofaktor.

  • Lipoprotein(a), oxidiertes LDL und sdLDL haben eine teils höhere prädiktive Aussagekraft als Gesamtcholesterin und klassisches LDL, insbesondere bei Patienten mit „normalen“ LDL-Werten, aber hohem kardiovaskulärem Risiko.

  • Triglyzeride und HOMA-Index sind besonders relevant bei metabolischem Syndrom und Diabetes.

  • Homocystein ist ein unabhängiger, aber schwächerer Risikomarker; therapeutische Interventionen zur Senkung zeigten bisher keinen klaren Nutzen.

Zusammenfassung als Tabelle

Marker Risikogewichtung (relativ) Unabhängigkeit vom klassischen Lipidprofil Klinische Anwendung
LDL-Cholesterin Hoch Nein Standard, Zielwerttherapie
HDL-Cholesterin Moderat (umgekehrt) Nein Ergänzend, aber nicht kausal
Gesamtcholesterin Moderat Nein Screening, aber unspezifisch
Lipoprotein(a) Hoch Ja Screening bei Familienanamnese
Homocystein Moderat Ja Zusatzmarker, v. a. bei Frühformen
Oxidiertes LDL Hoch Ja Forschung, Speziallabore
sdLDL Hoch Ja Spezialfall, Metabolisches Syndrom
Triglyzeride Moderat bis hoch Ja Metabolisches Syndrom, Diabetes
HOMA-Index Hoch bei Insulinresistenz Ja Diabetes, Prävention
 

Fazit:
Moderne Marker wie Lipoprotein(a), oxidiertes LDL, sdLDL und HOMA-Index liefern zusätzliche, teils sogar überlegene Informationen zum klassischen Lipidprofil und sollten insbesondere bei Patienten mit erhöhtem Risiko trotz normalen LDL-Werten berücksichtigt werden.

 

Bedeutung von sdLDL und Triglyzeriden bei der Beurteilung von Herz-Kreislaufrisiken

sdLDL (small dense LDL)

  • Atherogenität: sdLDL-Partikel sind kleiner und dichter als normales LDL. Sie können leichter in die Gefäßwand eindringen und sind anfälliger für Oxidation, was die Entstehung von Atherosklerose fördert.

  • Risikoprofil: Ein erhöhter sdLDL-Spiegel ist mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheit (KHK) assoziiert, oft stärker als der Gesamt-LDL-Wert. Besonders bei Patienten mit metabolischem Syndrom oder Diabetes ist sdLDL ein relevanter Marker.

  • Unabhängigkeit: Das Risiko durch sdLDL besteht auch dann, wenn die Gesamt-LDL-Werte im Normbereich liegen. Daher kann sdLDL helfen, Risikopatienten zu identifizieren, die mit klassischen Lipidwerten übersehen würden.

Triglyzeride

  • Risikofaktor: Erhöhte Triglyzeride sind ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere im Kontext von Insulinresistenz, metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus.

  • Mechanismus: Hohe Triglyzeridspiegel fördern die Bildung von sdLDL und sind mit niedrigen HDL-Werten assoziiert, was das kardiovaskuläre Risiko weiter erhöht.

  • Klinische Relevanz: Besonders bei Patienten mit Übergewicht, Diabetes oder metabolischem Syndrom sollten Triglyzeride regelmäßig kontrolliert werden, da sie das Risiko für Atherosklerose und damit verbundene Komplikationen signifikant steigern können.

Zusammenfassung in einer Tabelle

Marker Bedeutung für das Risiko Besonderheiten
sdLDL Hoch, besonders atherogen Identifiziert Risiko auch bei normalem LDL
Triglyzeride Moderat bis hoch, v. a. bei Insulinresistenz Fördern sdLDL-Bildung, wichtig bei metabolischem Syndrom
 

Fazit:
Sowohl sdLDL als auch Triglyzeride sind wichtige Marker für das Herz-Kreislaufrisiko, insbesondere bei Patienten mit metabolischem Syndrom oder Diabetes. Sie liefern zusätzliche Informationen über das Risiko, das mit klassischen Lipidwerten allein nicht ausreichend erfasst wird.
 

Studien, die den Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herz-Kreislauferkrankungen in Frage stellen

In den letzten Jahren sind mehrere Studien und Übersichtsarbeiten erschienen, die die klassische Annahme, dass (insbesondere LDL-) Cholesterin ein kausaler Hauptfaktor für Herz-Kreislauferkrankungen (KHK) ist, kritisch hinterfragen. Hier ein Überblick über zentrale Publikationen und deren Kernaussagen:

1. Systematische Reviews und Metaanalysen

  • Ravnskov et al. (2016, BMJ Open):
    Eine Analyse von 19 Studien mit fast 70.000 Menschen über 60 Jahre zeigte, dass hohe LDL-Cholesterinwerte nicht mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit assoziiert waren. Im Gegenteil: 92% der Personen mit hohem LDL lebten länger. Die Autoren fordern eine Neubewertung der Rolle von LDL als Risikomarker und der Statin-Therapie bei älteren Menschen.

  • Malhotra et al. (2017, British Journal of Sports Medicine):
    In einer Übersichtsarbeit wird argumentiert, dass gesättigte Fette und Cholesterin nicht die Hauptursache für Arterienverkalkung sind und dass LDL-Cholesterin bei Menschen über 60 nicht mit kardiovaskulären Ereignissen assoziiert ist.

  • Diamond & Ravnskov et al. (Expert Review of Clinical Pharmacology):
    Diese internationale Forschergruppe kritisiert die jahrzehntelange Fokussierung auf LDL als Ursache für Herzkrankheiten und sieht die Evidenz als unzureichend an. Sie bemängeln statistische Schwächen und selektive Berichterstattung in vielen Studien.

2. Neue Einzelstudien und Kohortenanalysen

  • RCSI-Studie (2022, JAMA Internal Medicine):
    Eine große Studie aus Irland fand, dass die Senkung von LDL-Cholesterin durch Statine einen inkonsistenten und teils nur geringen Einfluss auf das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtsterblichkeit hat. Die Autoren plädieren für eine differenzierte, individualisierte Risikoabwägung.

  • Lundquist Institute (2025, JACC Advances):
    In einer prospektiven Studie an 100 metabolisch gesunden Erwachsenen mit sehr hohem LDL-Cholesterin (durch ketogene Diät) zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Cholesterinwerten und Atherosklerose-Entwicklung. Die Autoren fordern eine personalisierte Risikobewertung, insbesondere bei metabolisch gesunden Menschen.

3. Kritik an der „Lipid-Hypothese“

  • BMJ Evidence Based Medicine (2020):
    Eine Analyse zahlreicher Studien kommt zu dem Schluss, dass das gezielte Senken von LDL-Cholesterin keinen konsistenten Nutzen für die Gesamtmortalität oder das KHK-Risiko zeigt. Die Autoren stellen die Gültigkeit dieser Präventionsstrategie infrage.

  • Weitere Übersichten:
    Auch Übersichtsarbeiten und Reviews betonen, dass der Zusammenhang zwischen Nahrungs-Cholesterin, Blutcholesterin und KHK-Risiko schwächer ist als lange angenommen und dass andere Faktoren wie Entzündungen, Insulinresistenz oder Lebensstil eine größere Rolle spielen könnten.

4. Zusammenfassung in einer Tabelle

Studie/Autor Hauptaussage Jahr
Ravnskov et al. (BMJ Open) Hohe LDL-Werte bei Älteren kein erhöhtes Risiko 2016
Malhotra et al. (BJSM) Gesättigte Fette/LDL nicht Hauptursache für KHK 2017
Diamond & Ravnskov LDL als Ursache für KHK nicht ausreichend belegt 2018
RCSI-Studie (JAMA Int.) Statine: geringe, inkonsistente Wirkung auf KHK-Risiko 2022
Lundquist Institute Kein Zusammenhang LDL und Atherosklerose bei Gesunden 2025
BMJ Evidence Med. LDL-Senkung bringt keinen konsistenten Mortalitätsvorteil 2020
 

Fazit:
Mehrere aktuelle Studien und Metaanalysen stellen die klassische Cholesterin-Hypothese infrage. Insbesondere bei älteren oder metabolisch gesunden Menschen scheint ein hoher Cholesterinspiegel nicht zwangsläufig mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen verbunden zu sein. Die Autoren fordern eine differenzierte, individuelle Risikobewertung und betonen die Bedeutung weiterer Faktoren wie Entzündung, Insulinresistenz und Lebensstil.

 
Die Kritik an der bisherigen Fokussierung auf LDL-Cholesterin als Hauptmarker für das Herz-Kreislauf-Risiko hat direkte Auswirkungen auf die persönliche Risikobewertung:
  • Individuelle Risikofaktoren gewinnen an Bedeutung: Neue Studien zeigen, dass ein hoher LDL-Spiegel nicht bei allen Menschen automatisch mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen einhergeht. Besonders bei älteren oder metabolisch gesunden Menschen kann das Risiko trotz erhöhtem LDL gering sein. Das bedeutet, dass andere Risikofaktoren wie Entzündungsmarker, Insulinresistenz (z.B. HOMA-Index), Lipoprotein(a), Triglyzeride, sdLDL und Lebensstilfaktoren stärker berücksichtigt werden sollten.

  • Ganzheitlicher Ansatz: Die alleinige Konzentration auf LDL kann dazu führen, dass andere relevante Risiken übersehen werden. Eine umfassende Bewertung sollte neben dem klassischen Lipidprofil auch Blutdruck, Blutzucker, Entzündungswerte, familiäre Vorbelastung, Lebensstil, Ernährung und ggf. spezielle Marker wie sdLDL oder Lipoprotein(a) einbeziehen.

  • Personalisierte Therapie: Die Entscheidung, ob und wie aggressiv LDL gesenkt werden sollte, sollte auf einer individuellen Risikoabschätzung basieren. Für Menschen ohne weitere Risikofaktoren und mit gesunder Stoffwechsellage kann ein erhöhter LDL-Wert weniger bedenklich sein als bislang angenommen. Umgekehrt kann bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren (z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Entzündungsmarker) eine konsequentere Behandlung sinnvoll sein.

  • Bedeutung für die Praxis: Für Ihre persönliche Risikobewertung bedeutet das: Lassen Sie neben dem LDL auch andere Risikofaktoren erfassen und diskutieren Sie mit Ihrem Arzt, wie Ihr Gesamtprofil aussieht. Eine individualisierte, evidenzbasierte Einschätzung ist sinnvoller als eine pauschale Behandlung allein nach dem LDL-Wert.

Fazit: Die Kritik an der LDL-Fokussierung spricht für eine differenzierte, personalisierte Risikobewertung, bei der das Gesamtbild und nicht nur ein einzelner Laborwert im Mittelpunkt stehen.



Alles sehr spannende Themen, die teils sehr kontrovers diskutiert werden und wo jeder für sich so seinen Weg finden darf.

Ganz liebe Grüße

MajaD.

 

 
Posted

Hallo @Tobi82,

danke für Deinen Hinweis.  Ich bin gespannt, ob man diesbezüglich irgendwann mal was Wirksames und Verträgliches auf den Markt bringen wird.

Bis dahin probiere ich halt mein Glück :-) und bin froh, dass ich immerhin von 164 mmol/l (und auch mal noch höher) auf 80,3 runter bin (bei Grenzwert 75). 
Wie schon erwähnt, weiß ich zumindest von meiner ältesten Tochter, dass sie auch stark erhöhte Werte hat und werde jetzt endlich mal nachholen, meine Family drauf hinzuweisen, diesen Wert mal ermitteln zu lassen. 

Ich habe ja leider auch eine Mikroangiopathie im cCT und frage mich, ob das auch mit dem Lipoprotein a zusammenhängen könnte, da ich immer niedrigen Blutdruck habe (die Neurologin führte die Mikroangiopathie auf Blutdruckspitzen zurück, die jedoch niemals gemessen wurden). Meine Koronarien und großen Kopfgefäße sind Gott sei Dank frei (außer einer kleinen Stelle links an der Karotisabzweigung).

Lieben Gruß

MajaD.

Posted

@Tobi82,

Hat nur indirekt mit Lipoprotein a zu tun - dennoch:
Hast Du hier schon mal was davon gehört?/https://cavadex.com/Cholrem_Cavadex_Report_L_Howes.pdf 

Bin mal wieder in ein Rabbit-Hole gefallen, von einem Newsletter zum nächsten Link und immer weiter, bis ich hier gelandet bin: https://drsircus.com/cardiovascular/finally-safe-and-effective-answers-to-arterial-plaque-and-cholesterol/

Ist für mich auch total neu, keine Ahnung, ob man das bei uns bekommt, muss mal recherchieren! Scheint es nicht allzu viele Infos dazu zu geben.

 

Posted

Hallo Maja,

 

ich bin sicher, dass du sehr viel tiefer in der Materie drin bist als ich es jemals sein werde. Aber der letzte Link bewegt mich dazu hier nochmal zu antworten. Ich finde, dass solche Links sehr gefährlich sind, und diese dann dazu führen, dass Betroffene nachweislich erfolgreiche Behandlungsmethoden hinterfragen und in Frage stellen.

 

https://drsircus.com/cardiovascular/finally-safe-and-effective-answers-to-arterial-plaque-and-cholesterol/

 

Der Artikel verwendet eine typische Struktur pseudowissenschaftlicher Rhetorik: Er greift anerkannte Risikofaktoren auf, um glaubwürdig zu erscheinen, stellt dann den etablierten medizinischen Konsens (Cholesterin-Theorie, Statine) als Verschwörung oder Versagen dar und präsentiert schließlich eine nicht ausreichend erforschte und nicht zugelassene Behandlungsmethode als revolutionären Durchbruch.

Die Behauptungen zur schnellen und dramatischen Wirksamkeit von Cyclodextrin (Cavadex) bei menschlicher Atherosklerose sind durch die aktuelle wissenschaftliche Literatur nicht gedeckt. Die präsentierten "Beweise" stützen sich auf Tierstudien, persönliche Anekdoten und nicht verifizierbare Behauptungen, nicht aber auf robuste klinische Studien am Menschen. Die Erwähnung von potenziell gefährlichen Substanzen wie Chlordioxid (Bleichmittel) ist verantwortungslos.

 

Dieser Artikel sollte meiner Meinung nach als Werbetext und nicht als objektive, wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformation betrachtet werden.

 

Patienten, die sich Sorgen um ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit machen, sollten sich an qualifizierte Ärzte und Kardiologen wenden und auf evidenzbasierte, in Leitlinien empfohlene Therapien vertrauen.

 

Ich verstehe, dass du wegen deiner Gesundheit viel recherierst und immer tiefer in die Materie eindringst. Das Internet kann aber auch eine Sackgasse sein.

 

Ich würde ein Mittel erst einnehmen, wenn es international in den Leitlinien steht und anerkannt ist. 

 

Sg

Lucky boy

Posted

Hallo zusammen, ich stimme Luckyboy in seinen Aussagen voll und ganz bei. Meine Tochter, Medizinstudentin kurz vor dem Abschluss sagt, sie (und die Medizin weitestgehend)verlässt sich auf evidenzbasierte Aussagen und wissenschaftliche Studien müssen hierbei bestimmte Voraussetzungen erfüllen um aussagefähig zu sein. 

 

Das Ganze ist biochemisch allein sehr komplex und Studienergebnisse sind nicht gleich aussagefähig, sondern erfordern dann eine breite Basis.

 

Nahrungsergänzungsmittel sind mit Vorsicht zu genießen und mit den behandelnden Ärzten abzusprechen.

 

Natürlich sind viele Werte noch nicht bekannt, man forscht daran, ist gut so. Es gibt aber jetzt schon evidenzbasierte Werte, die  sehr aussagefähigen sind. Und was dem Herz erwiesenermaßen/ecidenzbasiert  "gut" tut bzw. was Risikofaktoren sind, und welche positiven und negativen Auswirkungen dies hat, wissen wir alle.

 

Liebe Grüße 

Brigitte 

 

 

 

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Hallo

 

Einfach mal den Hintergrund von „Dr“ Mark Sircus eruieren. Dieser „Doktor“ hat KEINE anerkannte medizinische Ausbildung. Sein Hintergrund liegt eher auf dem Niveau deutscher Heilpraktiker. Wer das mag gerne, aber ich würde immer die Finger davon lassen. Insbesondere wenn es um Lebensnotwendige Therapien geht.

 

Grüsse

Ralf

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Hallo MajaD,

 

eine kurze Rückmeldung aus der Mittagspause. Davon (Cyclodextrane) hatte ich tatsächlich noch nichts gehört, ein spannendes Thema für die (ferne?) Zukunft. Ein kurzes googeln ergab aber, dass es durchaus seit Jahren im Gespräch zu sein scheint. Zum Beispiel:  https://www.uni-bonn.de/de/universitaet/presse-kommunikation/presseservice/archiv-pressemitteilungen/2016/064-2016

 

Allerdings: Lucky boy, Brigittchen und Ralfi hatten aber ohnehin bereits darauf hingewiesen, dass dieses Thema durch die aktuellen Leitlinien noch nicht adressiert ist. Und letztlich ist es wie die drei schon sagen, dass man dann natürlich nur schwerlich eine solche Empfehlung hier im Forum aussprechen sollte (wobei du dies ja auch nicht getan hast, sondern nur aufs Thema aufmerksam gemacht hast). Man kann sich aber recht sicher sein: Sollte sich hier etwas künftig in Studien etwas positives bei adäquatem Risikoprofil, also einem positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis zeigen, dann wird es früher oder später Eingang in die Leitlinien finden. Allein schon weil der Markt enorm sein dürfte. Aktuell ist es insofern zweifellos weder eine etablierte oder noch irgendwie von den Fachgesellschaften empfohlene Therapie.

 

Im übrigen zum Niacin: Hier gibt es zwar meines Wissens nach keine Aussage in der deutschen Leitlinie dazu, allerdings bereits in der 2019er Leitlinie der ESC zur Dyslipidämie steht:

 

8.9 Nicotinic acid
"Nicotinic acid has key action sites in both the liver and adipose tissue. In the liver, nicotinic acid inhibits diacylglycerol acyltransferase-2 resulting in decreased secretion of VLDL particles, which is also reflected in reductions of plasma levels of both IDL and LDL particles. Nicotinic acid primarily raises HDL-C and ApoA1 by stimulating
ApoA1 production in the liver. Two large randomized trials with nicotinic acid—one with extended-release niacin and one with
niacin plus laropiprant—have shown no beneficial effect and an increased frequency of serious adverse effects. No medication containing nicotinic acid is currently approved in Europe."

 

https://academic.oup.com/eurheartj/article/41/1/111/5556353?login=false

 

Gruß,

 

Tobi

Posted

Vielen lieben Dank für Eure Beiträge @Tobi82@lucky boy, @Brigittchen, @Ralfie!

Ich schätze Eure Diskussionsbeiträge sehr, zumal ich selbst und ständig ;-) auf der Suche nach neuen Wegen und Erkenntnissen bin, ohne Scheuklappen und frei nach dem Motto:


Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.
Max Planck

https://gutezitate.com/zitat/150626

 Zum Glück sind wir alle für uns selbst verantwortlich und wählen unseren Weg, der für uns am meisten Sinn macht und hoffentlich dem gesunden Menschenverstand entspricht. 

Selbstverständlich sind auch die Infos aus dem Internet grundsätzlich immer zu hinterfragen (allein die Fragestellung kann schon ganz unterschiedliche Ergebnisse zeitigen), dennoch bin ich froh für diese wunderbare Möglichkeit, einfach schneller recherchieren zu können als zu Zeiten, als man noch für alles teure Bücher und Fachzeitschriften erwerben und sich da mühsam "durchkämpfen" musste.

Auch wissenschaftliche Veröffentlichungen sind ja auch schon lange nicht mehr der Weisheit letzter Schluss, zumal auch dort viel Blödsinn veröffentlicht wird nach dem Motto "Publish or Perish": (https://katapult-magazin.de/de/artikel/die-unterminierung-der-forschunghttps://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1743919106000471?via%3Dihub etc.)


Meine ursprüngliche Frage aus reiner Neugier war ja:

Kennt Ihr denn Euren Lipoprotein a Wert
(oder z. B. auch die aussagefähigen Werte wie sdLDL und Oxidiertes LDL, HOMA-Index - Insulinresistenz ist übrigens sehr stark unterdiagnostiziert!), der ein ganz wichtiger, schulmedizinischer Wert ist und der immerhin bei jedem 5. erhöht ist?

Falls nicht, wäre das einfach ein Beleg dafür, dass es durchaus Sinn machen kann, auch mal über den Tellerrand zu schauen, zu recherchieren und zumindest die bekannten schulmedizinischen Laboruntersuchungen zu nutzen.

Posted

Hallo MajaD,

 

ich fand die Diskussion jetzt auch eher interessant denn lästig, insbesondere bin ich gespannt wohin der Weg in den nächsten Jahren bezüglich neuer Medikamente geht.
 

Aber zur Ausgangsfrage: mein Lipoprotein a liegt recht niedrig, also im unteren Normbereich. Wenigstens etwas… ;-) 

 

Gruß,

 

Tobi

Posted (edited)

Hallo Maja,

vielen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung – dein eingebundenes Max-Planck-Zitat war auf jeden Fall ein starkes Statement! 😉
Ich persönlich finde den Austausch hier gerade deshalb so wertvoll, weil unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammentreffen – sei es mit oder ohne Scheuklappen, mit akademischem Hintergrund oder ganz pragmatisch aus dem Alltag und auf Basis eigener Erfahrungen heraus.

 

Was die angesprochenen Laborwerte angeht: Ja, Lp(a), sdLDL, oxidiertes LDL usw. kann man bestimmen – wie sinnvoll und zielführend das im individuellen Fall ist, hängt aber eben auch von der gesamten individuellen Situation ab.


Nicht jede medizinische (nicht hinreichend evaluierte) Erkenntnis erfordert automatisch eine persönliche Konsequenz – und nicht alles, was sich messen lässt, muss zwangsläufig optimiert werden.

 

Gerade deshalb finde ich es gut, wenn wir hier nicht nur Wissen „anhäufen“, sondern auch reflektieren, wie wir dieses Wissen für uns selber einordnen. Denn nicht jeder geht denselben Weg – und das ist auch gut so.

 

Wissenschaft darf  hinterfragt werden.

Manchmal ist ein pragmatischer, erfahrungsbasierter Umgang mit Gesundheit ebenso legitim wie die tiefgreifende Recherche – und beides darf nebeneinander bestehen.

 

Wirklich offen im Denken zu sein heißt, anderen Perspektiven Raum zu lassen – nicht nur der eigenen.

 

Liebe Grüße 

Brigitte 

 

 

 

Edited by Brigittchen
Posted

Liebe @Brigitte,

danke für Deine verständnisvollen Gedanken.

Dies ist einer der Gründe, weshalb ich dieses Forum so schätze: auch bei unterschiedlichen Ansichten dennoch sachliche Diskussionen führen zu können, neue Infos zu erhalten, die Möglichkeit, Sachverhalte zu hinterfragen etc. etc.

Alles Liebe,

MajaD.

Posted

Jetzt bin ich´s nochmal... habe mir noch so einiges reingezogen bezüglich der Wichtigkeit, Gefährlichkeit und Behandlungsmethoden von erhöhtem Lipoprotein a und bin jetzt auf das interessanteste Video überhaupt diesbezüglich gestoßen - hoch interessant und für mich bisher die logischste Erklärung was Lipoprotein a ist, tut und was man tun kann, damit es nur nützlich und nicht schädlich ist:

https://www.youtube.com/watch?v=-eWWYqcU4O8&t=358s

Es lassen sich automatisch auf Deutsch übersetzte Untertitel einstellen oder man kann sich das Transkript kopieren und z. B. in Deepl übersetzen lassen. Für alle Betroffenen eine ganz neue Perspektive!

PS: Könnte mir vorstellen, dass für mich die wichtigste Info ist, aus Insulinresistenz und Prädiabetes rauszukommen und weitgehend auf Kohlenhydrate zu verzichten (was ich eh schon länger tue).

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Hallo MajaD, 

von dem Wert Lipoprotein a habe ich bisher noch nie was gehört, obwohl ich durch mehrere Umzüge schon etliche Hausärzte hatte.

Meine ehemalige Betriebsärztin hatte immer auf die Triglyziride gepocht. Hatte gerade Check Up beim Hausarzt, mein LDL ist okay, Trigly, HDL,Chol erhöht. Mein Hausarzt meinte es können locker 30 kg weg bei mir, Leber leicht verfettet, Leber Blutwerte alle gut. Muss also jetzt auch aufpassen und auf Ernährung und Sport achten. Bin 198cm groß, Bauch und Hüfte Übergewicht. Mein Hausarzt der seit paar Jahren die Praxis vom Vorgänger übernommen hat, legte mir auch schon mal Nahe das die Türen nach allen Seiten offenstehen, sprich wenn ich Arzt wechseln möchte. Ich wollte mal Blut abnehmen lassen zur Kontrolle auf Kassenkosten ohne Check Up, man bestellte mich ein und verweigerte dann die Blutabnahme, obwohl vorher ohne Check Up abgesprochen war, und man müsste auch was verdienen damit alles bezahlt werden kann. Da ich dort aber jetzt fast 15 Jahre Patient bin, hab ich gesagt ich bleibe und Wechsel nicht. Ich nutze zum Beispiel nicht das Hausarztmodell oder DMP Programme. Und wenn man dann mal widerspricht ist man nicht beliebt beim Arzt. Ich habe auch schon mal privat bezahlt für Labor.Was kostet denn dieser Lipoprotein Wert?

Grüße Michael 

Achso Diabetes Typ 2 habe ich auch.HBA1C jetzt 6.6 von 6.7 runter.

 

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Hallo Michael,

mein jetziger Hausarzt mach den Lipoprotein a mit, wenn ich ihn drum bitte.
Hier steht was von ca. 20,-- https://www.bioscientia.info/diagnostik-app/de/labortests/lipoprotein-a/?a=listing&leistung_nr=35841, kann man ja beim Arzt erfragen. Da es sich um einen ganz normalen schulmedizinischen Wert handelt, kann der grade bei Herzpatienten normalerweise problemlos mitgemacht werden, oder gibt es da Einschränkungen @Tobi82?

Die meisten brauchen den Wert auch nur einmal im Leben, denn wenn er ok ist, bleibt er auch ok.

Die Triglyzeride sind auch wichtig, können u. a. mit zu hoher Kohlenhydratzufuhr etc. zusammenhängen (müsste es recherchieren) und geben auch einen Hinweis auf Insulinresistenz, die Du wahrscheinlich bei dem genannten Hba1c auch hast. Du kannst Dir mal nüchtern den HOMA-Index bestimmen lassen, der gibt Auskunft darüber. Und ich hatte eingangs noch ein paar weitere Werte genannt, deren Bestimmung aus Sinn machen kann.
Fettleber wird u. a. durch Fruchtzucker (Fruktose) begünstigt, da diese direkt in der Leber verarbeitet wird. Normaler, weißer Haushaltszucker besteht zu 50% aus Fruktose.

Was machst Du für den Diabetes - bekommst Du Medis, hast Du Deine Ernährung umgestellt? Ist ja bei mir auch grenzwertig (auch davon wollte mein alter Hausarzt nix wissen), auch der HOMA-Index war erhöht und ist jetzt etwas gesunken. Ist gar nicht so leicht, von der Insulinresistenz wieder runterzukommen, wenn man diese wahrscheinlich schon Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, gehabt hat.
Wenn ich früher davon gewusst hätte, hätte ich schon eher gegengesteuert, aber mein alter Arzt war in Sachen Aufklärung eine Null. Ich habe meine Kohlenhydrate weitestgehend verbannt und nutze einen CGM (Glukosesensor von Abbott), wo ich sehen kann, wie ich auf welches Essen reagiere und mich entsprechend danach richten kann. Ist nicht billig, aber hilfreich.

Überhaupt sollten alle Herzpatienten (und alle anderen chron. Kranken) auf Insulinresistenz getestet werden, da dieses sich immer mehr als die Basis für viele chronische Krankheiten herauskristallisiert. Auch Hypertonie etc. etc. geht häufig mit Insulinresistenz einher.

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Hallo MajaD,

 

das sowohl das Lipoprotein a als auch der HOMA Index sinnvolle Laborparameter sind, wurde hier ja bereits von dir und anderen betont. Dem schließe ich mich zweifellos an.

 

Insbesondere die Bestimmung des Lipoprotein a ist ja auch leitliniengerecht (i.d.R.) einmalig im Leben (bei Erwachsenen) empfohlen (europäische Leitlinie des ESC).

 

Daraus leitet sich aber nicht zwingend eine Kostenübernahme durch die GKV ab. Im Zweifel vorher bei der zuständigen Krankenkasse nachhorchen. Noch 2022 hieß es zum Thema im Deutschen Ärzteblatt:

 

„Das Problem: Es gibt keine Kostenübernahme einer vorsorglichen Bestimmung von Lp(a) durch die gesetzli­che Krankenversicherung. Zudem sei die Bestimmung von Lp(a) in keinem Vorsorgeprogramm oder Check-up Programm implementiert.“


https://www.aerzteblatt.de/news/herzinfarktvorsorge-leitlinien-zur-lipoproteina-bestimmung-ungenuegend-umgesetzt-8192b9d3-a25f-4421-9eb1-de30f2d4988e

 

Es mag sein, dass es sich seitdem geändert hat, jedenfalls wird da eventuell jeder Hausarzt anders mit seinem Labor-Budget umgehen und das Thema Labor und GKV Erstattung ist ohnehin komplex.

 

Der HOMA Index (zur Aussage über das Vorliegen einer Insulinresistenz) taucht in der aktuellen NVL Diabetes Typ 2 noch gar nicht auf, wird aber natürlich längst zur (einfachen) Detektion eines Prädiabetes von den Fachgesellschaften (Diabetes und/oder Endokrinologie) als sinnvoll erachtet. 
 

Die konsequente Nüchternheit (üblich: mindestens 12 std) vor Abnahme der Laborwerte (Serum-Glucose und Serum- Insulinspiegel) ist natürlich zu beachten um verwertbare Ergebnisse des HOMA Index zu erhalten. 
 

Die Ausführungen zum Laborbudget gelten hier (beim HOMA Index) natürlich gleichermaßen.

 

Man kann es also auch so zusammenfassen: Nicht alles was Sinn macht und sogar empfohlen ist, wird auch sicher bezahlt. Wie gesagt im Zweifel mal bei der eigenen Krankenkasse nachhaken.

 

Gruß,

 

Tobi
 

 

 

 

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Herzlichen Dank, @Tobi82!

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Hi Maja,

nehme gegen Diabetes Typ 2 Metformin 850. Mein HbA1C Wert ist von 6.7 auf 6.6 gesunken. Mein Vater hatte Alters Diabetes Typ 2.

Da wurde meine Betriebsärztin hellhörig und machte den Wert mit.

Weniger Süßes, weniger Fett,mehr Sport kommt noch. Laufe jeden Tag viel auf der Arbeit, km im Patienten Transport,das wäre Zuwenig meint mein Hausarzt.Grüße Michael 

 

 

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Hallo Michael,

ja, Metformin ist oft das erste Mittel der Wahl, um den Blutzucker zu senken und es ist super, wenn Du da auf einem guten Weg bist (ich selbst nehme es nicht). Ich hatte mal Forxiga (auch ein Zucker-Medikament), das auch für diastolische Dysfunktion zugelassen ist, hab es aber nicht vertragen und furchtbaren Schwindel bekommen.
Damals habe ich allerdings angefangen, mehr zum Thema zu recherchieren....

Allerdings ist die Senkung des Zuckers allein nicht unbedingt ausreichend, so lange nicht auch an der Insulinresistenz- Stellschraube "gedreht" wird, was aber leider noch viel zu wenig empfohlen wird. Ich habe mich auch erst in den letzten ca. 1,5 Jahren damit befasst (überwiegend durch Forschungen aus dem englischsprachigen Raum), seit mir die Bedeutung davon klar geworden ist.

Insulinresistenz ist ja eine Situation, in der der Körper, oft über Jahre, zu viel Insulin ausschütten musste (um z. B. der Kohlenhydrate Herr zu werden) und jetzt die Rezeptoren nicht mehr richtig auf das Hormon reagieren (sozusagen "abgestumpft"), so dass noch mehr Insulin her muss, damit der Zucker in die Zellen gebracht werden kann. Es ist also anders als bei Typ 1 Diabetes zu viel Insulin im System. Und zu viel Insulin ist unser "Masthormon" und wirkt gleichzeitig entzündungsfördernd - mit allen Folgen.

Ein wichtiger Schritt ist deshalb, die Insulinausschüttungen zu minimieren und zu reduzieren - einmal über eine veränderte Ernährung, wie Du schon schreibst (kein Naschen, keine Zwischenmahlzeiten, keine Süßgetränke - schon mal gar nicht zwischendurch, Kohlenhydrate insgesamt reduzieren etc.) und dann auch über gesundheitsfördernde Lebensstilveränderungen wie genügend Sonnenlicht, erden (barfuß ins Gras), weniger E-Smog (dieser begünstigt ebenfalls Diabetes Typ II) etc. Bewegung ist u. a. wichtig, weil die Muskeln, wenn sie arbeiten, direkt Zucker verstoffwechseln können ohne dazu Insulin zu brauchen. Und unbedingt raus aus dem Stress - dieser kann allein schon ein Hauptfaktor sein, vor allem, wenn auch noch der Schlaf gestört ist.

Gut, wenn Du einen Anfang auf dieser Reise gefunden hast und schrittweise weiterkommst - ich wünsche Dir ganz viel Erfolg dabei!

LG

MajaD.

Will aber hier kein Buch schreiben - falls Du mehr dazu wissen willst, kann ich gern ein paar gute Quellen dazu raussuchen.

  • 2 weeks later...
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Hallo Maja,

 

Anfangs habe ich versprochen nach dem Wert LP(a) beim Kardiologen zu fragen. Vorletzte Woche hatte ich meine ersten 2 Termine bei meinem Wunschkardiologen. Alles bis dahin war Überbrückung über das örtliche Krankenhaus bzw. Hausarzt. 

Ich hatte zwar vergessen, speziell nach dem Wert zu fragen, sehe aber jetzt im mir zugesandten Befund, dass der Wert gemessen wurde. Dieser beträgt bei mir <7nmol/l. Normbereich wäre laut Befund alles unter 75nmol/l, also alles im grünen Bereich.

 

Leicht möglich, dass der Wert bei mir nur deshalb gemessen wurde, weil in der Familie Schlaganfälle, Herzinfarkte, Venenthrombosen und dgl. bekannt sind und danach auch aktiv gefragt wurde.

 

Liebe Grüße,

Lucky boy

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Ist doch super, dann bist Du in der Hinsicht tatsächlich der  Lucky Boy!

Einmal kontrolliert und ein gutes Ergebnis, dann ist dieses Thema zumindest abgehakt!

Weiterhin alles Gute + LG

MajaD.

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