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Erfahrungsbericht: PEARS erstmals in Wien durchgeführt, als schonendere Alternative zur Aorten Aneurysma OP mit Dacron


WolfgangEHG

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Liebe Forums Kolleginnen und Kollegen,

 

Ich möchte mich für den sehr wertvollen Austausch hier bedanken und euch über meine erfolgreiche, schonende und zum ersten Mal in Österreich am Wiener AKH durchgeführte PEARS (Personalized External Aortic Root Support) Operation für mein Aorten Aneurysma informieren – und euch empfehlen diese schonende Methode jedenfalls zu prüfen.

 

Ich bin 42 Jahre alt, Familienvater und bekam 2020 die Diagnose „Aorten Aneurysma“ mit der Empfehlung zu beobachten. 2021 wurde am Linzer Keplerklinikum mein Aneurysma mit 48mm gemessen und bei „noch guter“ bikuspider Klappe mit Insuffizienz I eine OP Empfehlung ausgesprochen: Tausch der erweiterten Aorta durch Dacron Prothese und Tausch der Klappe durch mechanische Klappe. Mir wurde sogar schriftlich eine Davids procedure empfohlen, dies wurde aber dann nach Rücksprache wieder relativiert(?).

 

Ich habe mich dann in diesem Forum informiert, etwas über PEARS in London gelesen, und mir Meinungen von positiv genannten Experten hier im Forum eingeholt:

  • Prof. Dr. Grabenwoeger empfahl mir weiter engmaschig zu beobachten, da meine Klappe noch gut ist, bei einer OP aber entweder nur das Aorten Aneurysma oder das Aneurysma mit Bioklappe (Inspiris Resilia) zu operieren. Bis dahin müsste ich aber mit deutlichen Einschränkungen "vorsichtig" leben.
  • Prof. Dr. Alfred Kocher am Wiener AKH empfahl mir meine Klappe zu belassen und nur das Aorten Aneurysma zu operieren. Er meint, ich hätte eine gute Chance lange oder immer mit meiner Klappe durchzukommen wenn durch die OP die Strömungseigenschaften normalisiert würden.

 

Ich fragte Prof. Kocher nach schonenderen Methoden wie zb PEARS, er bestätigte die Eignung der Methode und dass er schon länger plane diese Methode nach Wien zu bringen. Wir entschieden uns diese Methode nach Wien zu bringen und nahmen mit dem Erfinder der Methode in London Kontakt auf.

 

Wichtig war für mich ein qualitätsgesicherter Know-How-Transfer: Ich wurde im Proctorverfahren von Prof. Kocher mit einem PEARS Spezialist aus London (>200 PEARS OPs, 2-3 pro Woche durchgeführt) in Wien im Juli operiert. Nach 7 Tagen konnte ich das Krankenhaus verlassen, nach 3 Wochen war ich wieder voll berufstätig remote, nach 5 Wochen physisch präsent. Reha wurde mir zwar genehmigt, war aber nicht erforderlich.

 

Meine Aorta ascendens ist nun mit einem personalisierten textile mesh umhüllt und stabilisiert, dieses textile mesh wird nun in die Aorta einwachsen und sie vor Dissektion oder Ruptur schützen. Zusätzlich wird die Aorta auch etwas komprimiert, sodass die Strömungseigenschaften wieder normalisiert sind. Ich habe nun nur mehr eine minimale Insuffizienz meiner Aortenklappe.

 

Durch PEARS konnte ich eine 5-6h OP vermeiden und war nur 2h im OP. Weiters wurde nicht in meine Aorta geschnitten und ich musste nicht an die Herz-Lungen-Maschine oder "abgekühlt" werden um im Aortenbogen operieren zu können. Eine Sternotomie ist natürlich weiterhin erforderlich. Mehr Informationen zu PEARS findet ihr hier: Home - Exstent

  

Dr. Kocher hat das sehr gut operiert (und organisiert), ich habe zwei Kardiologen befasst und beide haben bestätigt dass die Aorta stabilisiert wurde, die Strömungsdynamik bei meiner bikuspiden Herzklappe sich deutlich verbessert hat und auch die VMax sich normalisiert hat.

 

Falls jemand in einer ähnlichen Situation ist, empfehle ich diese Methode mit Dr. Kocher zu prüfen.

 

Lg, Wolfgang

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Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht über dieses interessante neue Verfahren.
Ich überlege, ob das nicht auch was für mich wäre.

 

Ich hätte dazu noch bitte ein paar Fragen:
Wie ging es dir direkt nach der OP?
Hattest du Rhythmusstörungen oder Vorhofflimmern?
Wie war der Blutdruck?
Musst du jetzt regelmäßig Marcumar oder andere Medikamente einnehmen?

 

Warst du wirklich schon 3 Wochen nach der OP wieder arbeitsfähig ?!?

 

Das Ergebnis der OP scheint ja phänomenal gut zu sein, wenn sich zusätzlich zur Stabilisierung des Aneurysmas auch die Strömungswerte der Aortenklappe
verbessert haben ohne das die Klappe ersetzt oder rekonstruiert werden musste.

 

Für mich am interessantesten ist aber, dass nach deinen Aussagen während der OP keine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird. Der lange Einsatz der HLM
ist glaube ich der Hauptgrund für die Probleme nach der OP von denen hier im Forum so viel erzählt wird.

 

Soweit ich das recherchiert habe, ist das Verfahren schon seit ca. 20 Jahre in England ein normales Standardverfahren und soll als sehr sicher und schonend gelten. 
Nur hier in Deutschland/Österreich ist es noch neu.
Könnte man sich auch als Deutscher von Prof. Dr. Kocher in Wien operieren lassen?

 

Grüße
 

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Lieber Wolfgang,

 

vielen Dank für diesen tollen Bericht ! Sehr interessant, was alles möglich ist. Mit dem Verfahren können wahrscheinlich viele Klappen gerettet werden und nur das Aneurysma behandelt werden. Oftmals wird ja die Aortenklappe undicht, weil sie durch das Aneurysma zu sehr geweitet wird.

 

Liebe Grüße und beste Besserung

 

Michael :)

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Hallo Mika23,

 

Ob das Verfahren für deine Situation gut ist, musst du natürlich mit deinem Chirurg besprechen, für PEARS würde ich in Österreich Dr. Kocher empfehlen, der klärt die Eignung dann mit Exstent ab.

 

Die Methode ist deshalb schonender, weil gar nicht in die Aorta geschnitten wird, daher zu 90% keine Herz-Lungen-Maschine erforderlich ist und daher die OP auch „nur“ 2-3h dauert. Es ist natürlich trotzdem eine Sternotomie erforderlich was kein Spass ist.

 

Auch löst diese OP das Problem meiner bikuspiden Klappe nicht, sie erhöht nur etwas die Wahrscheinlichkeit länger (vielleicht immer?) mit meiner Klappe durchzukommen, indem die Wurzel stabilisiert und die Strömungseigenschaften verbessert werden. Eine Klappen-Verkalkung ist immer noch möglich, dann würde ich  wieder eine OP benötigen.

 

Da ich mich aber wegen den „fatal bleeding risks“ für eine Bioklappe entschieden hätte und da ziemlich sicher eine ReOP benötigt hätte, war mir PEARS mit der ev. Chance ohne ReOP durchzukommen, lieber. PEARS macht für einen späteren eventuellen Klappentausch auch kein Problem.

 

Wie ist es mir mach der OP gegangen?
Im Vergleich zum zweiten Patienten (älter 50+, größeres Aneurysma) gabs bei mir mehr Schwierigkeiten, also Körperreaktionen auf die OP selber: erhöhter Puls der medikamentös gesenkt werden musste, Wasserbildung in der Lunge, musste einmal punktiert werden, nachher Entwässerungstabletten. Allerdings kein Vorhofflimmern oder Rhythmusstörungen. 
 

Marcumar war nie erforderlich, Beta-Blocker musste ich aber nehmen, als ich aus dem Krankenhaus 7,5mg. Das habe ich dann sofort begonnen zu reduzieren, und aktuell benötige ich es nicht mehr. Da muss man dem Körper oder dem vegetativen Nervensystem etwas Zeit geben. 
 

Ist man nach 3 Wochen arbeitsfähig? Naja, geht so. Habe einen Managementjob und mir wars karrieretechnisch wichtig wieder präsent zu sein - 2 Wochen remote, dann in echt. Spass wars keiner, aber möglich.

 

 

Edited by WolfgangEHG
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Hallo Wolfgang,

 

Vielen Dank für deine Infos.

 

Ich hätte noch eine weitere Frage. Du schreibst:

 

"PEARS macht für einen späteren eventuellen Klappentausch auch kein Problem."

 

Ich verstehe das so: 
Wenn mein Aneurysma sich irgendwann so  vergrößert hat, dass eine OP unausweichlich ist, und ich mich für PEARS entscheiden würde, habe ich immer noch alle Optionen offen bei einer irgendwann folgenden Herzklappen-OP. Der dann eingewachsene PEARS-Mantel behindert oder verkompliziert die Herzklappen-OP nicht. Ich habe auch dann immer noch die Wahlfreiheit zwischen Bio- und mechanischer Klappe (oder Ozaki etc)

 

Ist dass richtig so?
Hat dein Chirurg dir das bestätigt?

 

Grüße

 

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Wenn dem so wäre, frage ich mich nur, warum diese Methode in Deutschland in der Herzchirurgie nicht schon lange eingesetzt wird und kompliziert nach David oder Yacoub rekonstruiert wird.

 

Ich bin nach Yacoub rekonstruiert, d.h. ich habe einen Ersatz der Aorta Ascendens durch eine Prothese mit entsprechend jetzt optimalen Durchmesser und meine bis dato noch gute erhaltene bikuspide Aortenklappe ist jetzt trikuspid. Das wirkt sich doch auch positiv aus, ob tri- oder bikuspide. 

 

Ich bin kein Herzchirurg, würde aber eine solche Frage renommierten Herzchirurgen stellen oder z.B. Benni.

Jedenfalls ist meine rekonstruierte Klappe seit Jahren stabil und bei mir kann definitiv jede Arzt von weiterer Herzop erfolgen.

 

Die Pears Methode wird  in Deutschland z.B. für die Bauchaorta eingesetzt.

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Hallo Mika23,

 

Ja genau, so wurde es mir für meinen Fall vom Herzchirurg in Wien und auch vom Chirurg in London von extent selbst bestätigt. Da es sich bei PEARS aber um personalisierte Medizin handelt, ist das natürlich je Fall individuell abzuklären. Und da empfiehlt sich jedenfalls zwei unabhängige Experten dazu zu befragen, so habe ich das auch gehalten.

 

Alles Gute!

 

Lg, Wolfgang

Edited by WolfgangEHG
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Am 23.10.2022 um 07:54 schrieb Brigittchen:

Wenn dem so wäre, frage ich mich nur, warum diese Methode in Deutschland in der Herzchirurgie nicht schon lange eingesetzt wird und kompliziert nach David oder Yacoub rekonstruiert wird.

Das ist eine gute Frage.

Es wird ja immer gesagt, in Deutschland gäbe es eine moderne und fortschrittliche Gesundheitsversorgung. Aber in Sachen PEARS ist das hier mau. Ich habe bis jetzt jedenfalls noch keine deutsche Herzchirurgie gefunden, die PEARS anbietet.

 

Weiß vielleicht von euch jemand mehr?

 

Sonst würde ich auch versuchen in Wien mit dem PEARS Verfahren operiert zu werden. Aber ich weiß nicht, ob die Krankenkasse da mitmacht.

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  • 2 weeks later...

Hallo Wolfgang,

 

ich bewundere deinen Mut, dich bei einem Chirurgen unters Messer gelegt zu haben, der diese OP-Technik erstmals angewendet hat. Aber anscheinend hat das ja funktioniert. Mit der PEARS-Methode habe ich mich auch schon länger (seit April 2021) beschäftigt, jedoch war mein Aneurysma vermutlich schon zu groß dafür. Außerdem stellte sich bei meiner OP im August diesen Jahres heraus, dass schon eine Dissektion im Bereich der Aortenwurzel vorlag. Meine (bikuspide angelegte) Aortenklappe hatte vor der OP eine mittelgradige Insuffizienz. Inwiefern das noch für PEARS ausgereicht hätte, weiß ich nicht. Bei mir wurde es jedenfalls eine David-OP. Ich habe seitdem eine dichte Aortenklappe ohne Insuffizienz.
 
Ich sehe die PEARS-Methode nicht nur vorteilhaft. M.E. bringt diese auch nur etwas, wenn die Aortenklappe noch einigermaßen gut ist und der Aortendurchmesser sich noch in gewissem Rahmen bewegt. Denn bei zu großem Aortendurchmesser steigt die Wahrscheinlichkeit einer Dissektion und die kann ja im Grunde nicht durch eine Stütze von außen gänzlich ausgeschlossen bzw. vermieden werden. Außerdem frage ich mich, ob es nicht grundsätzlich besser wäre, wenn der Chirurg unter Sicht einen begutachtenden Blick auf Aortenklappe und Wandbeschaffenheit der Gefäße wirft. (Klar, dafür müsste das Gefäßsystem aufgeschnitten werden - inkl. Einsatz der Herz-Lungen-Maschine). Außerdem bleibt bei der PEARS-Methode das Aneurysma in der aktuellen Form ja erhalten. Je nach Größe können aufgrund der Strömungsverhältnisse im Aneurysma auch theoretisch Blutgerinsel entstehen, die dann theoretisch z.B. zum Schlaganfall führen könnten.

Naja, bei mir ist das Kind sowieso in den Brunnen gefallen. Ich kann aber sagen, dass ich die David-OP gut weggesteckt habe und ca. 5,5 Wochen nach der OP, ca. 1 Woche nach Ende der Reha, schon wieder gearbeitet habe. Zwar "nur" im Heimbüro, aber immerhin. Wenn ich gewollt hätte und die Reha weggelassen hätte, wäre ggf. auch ein früherer Arbeitsbeginn möglich gewesen. Wollte ich aber nicht...

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Zitat

ich bewundere deinen Mut, dich bei einem Chirurgen unters Messer gelegt zu haben, der diese OP-Technik erstmals angewendet hat. Aber anscheinend hat das ja funktioniert.

 

Diesen Mut hatte ich nicht :) Ich wurde von einem erfahrenen Proctor aus dem Royal Brompton Hospital London operiert der dafür nach Wiengekommen ist - 200+ OPS, im Schnitt 2 pro Woche.

 

 

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Finde ich sehr cool, dass man das Aneurysma Problem auch so angehen kann, vor allem wenn man noch so jung ist.

Nach meiner Diagnose vor einem Jahr habe ich dem Prof auch die Frage gestellt, ob man da nicht einfach eine Schelle/Muffe rummachen könnte damit sich das nicht noch weiter aufdehnt usw.

Der hat dann schon was von so einer Methode erzählt aber für mich ausgeschlossen. Mein Aneurysma war mit 65mm zu groß...und die Klappe auch nicht mehr gut genug.

 

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  • 2 months later...

Hallo Wolfgang,

 

ich habe die letzten drei Wochen viel im Forum gelesen und mich jetzt registriert.

 

Stehe vor einen sehr ähnlichen Situation. Bei mir wurde 2021 ein Aneurysma an der Aorta Ascendens mit 47mm bei einem Gesundheitsdienst Check Up diagnostiziert, was im Dezember 2022 auf 51mm angewachsen ist (bestätigt durch Ultraschall und CT). Ich habe ebenfalls eine biskopide Klappe, die allerdings vollkommen in Ordnung ist.

 

Diese Woche hatte ich einen "Beratungstermin" in einem der großen Herzzentren in Deutschland, wo mir eine zeitnahe Operation angeraten wurde. Viel Beratung gab es allerdings nicht. Natürlich habe ich auch das Thema PEARS angesprochen was allerdings sofort als "veraltete Maßnahme" abgebügelt wurde... 

 

Im Nachgang hatte ich ein sehr ermutigendes Gespräch mit deinem Operateur in Wien, der meinen Fall jetzt durch Exstent prüfen lässt.

 

Ich habe auch schonmal vorsichtig bei meinen gesetzlichen (deutschen) Krankenkasse angefragt. Eine OP im EU Raum würde natürlich entsprechend der Verrechnungssätze "gleicher" Operation in Deutschland übernommen werden. Da diese OP in Deutschland nicht angeboten wird, wurde grundsätzlich erst einmal abgewunken. Mein Einwand das die Kosten aber wahrscheinlich geringer wären, bei gleichzeitig deutlich geringerem Risiko für den Patienten und kürzerer Genesungszeit, wird jetzt auf eine Einzelfallprüfung herauslaufen.

 

Liebe Grüße

 

Michael

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Hallo Michael

 

diese Erfahrungen musste ich auch machen. Wenn man die Ärzte oder Professoren auf PEARS anspricht, ist die Methode entweder vollständig unbekannt oder die verwechseln das mit einer uralten "Wrapping" Methode aus 1960'er Jahren.

 

Mich würde sehr interessieren wie die Prüfung durch deine gesetzliche Krankenkasse ausgeht. Ob sie dir die OP in Wien genehmigen. Ich werde mich in absehbarer Zukunft auch mit meiner gesetzlichen Krankenkasse wegen einer OP in Wien auseinandersetzen müssen. 
 

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