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Ausschlussgründe für eine Bioklappe an Aortenposition


Herzkasper

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Hallo zusammen,

 ich bin schon lange Mitleser und sehr dankbar, dass es das Forum gibt. Nun benötige ich selbst Rat.
 
Mein Problem ist eine bikuspide Aortenklappe nebst Aneurysma an der Aorta ascendens - und das Alter von knapp über vierzig Jahren. Plan A ist die Rekonstruktion, Plan B der Klappenersatz. Dazu die Rohrprothese für die Aorta ascendens. Eine Ross-OP ist aufgrund Bindegewebsschwäche nicht möglich.

 

Die Uniklinik Homburg rät komplett von einer Bioklappe als Plan B ab. Die sprechen hier von einer Haltbarkeit von nur ca. 5 Jahren. Sie raten von einer gerüstbasierten Klappe wie der Inspiris Resilia ab - Grund ist wohl die Größe der Aortenwurzel von 4,5cm. Eine "Freestyle"-Klappe sei auch keine Option; dort sei die Reoperation wegen der Verwachsungen und der Herzkranzgefäße mit sehr hohen Risiken verbunden.

 

Bei anderen Kliniken war als Plan B eine Bioklappe durchaus möglich.

 

Bislang dachte ich immer, eine Bioklappe wäre immer grundsätzlich möglich. Anscheinend gibt es aber Konstellationen, wo eine Bioklappe nicht möglich ist, wie z.B. bestimmte anatomische Gegebenheiten wie Größe der Aortenwurzel oder des Klappenrings. Gibt es dazu Erfahrungen? Wurde jemandem schon einmal etwas in der Art gesagt?

 

Danke für Antworten!

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Moini!

 

bei mir war es damals so, dass ich aufgrund einer Aorteninsuffizienz + stenose bei bikuspider Klappe und Erweiterung der Aorta eine mechanische Klappe bekommen hab.

 

Die Erweiterung wurde nicht mitoperiert, da man meinte, dass sich die Aorta erholt und von selbst kleiner wird. Trat zwar nicht ein, aber sie wurde bisher auch nicht größer. Ich gönn mir einmal im Jahr ein Herz MRT um zu gucken wie es aussieht. Jetzt bin ich natürlich neugierig, was hast du für eine Bindegewebsschwäche? Eine Rekonstruktion war bei mir damals nicht möglich, also blieb nur Bio oder mechanisch übrig. Ich hab mich dann auf mein Bauchgefühl verlassen und mich für die mechanische entschieden. Warscheinlich auch, weil ich keine Lust auf eine Re-OP hatte. Wenn auch die jetzt am Gewebe ein Leck hat. Ob es an meinem EDS liegt oder es einen Nahtausriss gab, kann ich gar nicht sagen. Ich glaube, es ist auch vom Klappentyp, den die Kliniken verbauen, abhängig. In Berlin war es der Standard unter den Klappen, aber es gibt ja auch noch andere Klappenhersteller etc.

Du kannst dich ja auch mal über ein DAH informieren, ob eine Spenderklappe eine Option wäre?

 

LG Anne

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Hallo Anne,

 

ein DAH ist bei mir nicht möglich, da meine Aortenklappe sehr groß ist und es so gut wie unmöglich ist, für diese Größe eine Spenderklappe zu bekommen.

 

Die Bindegewebsschwäche wurde nicht näher diagnostiziert; es hieß nur "Bindegewebsschwäche => keine Ross OP möglich"

 

Ich bin nur verwirrt, weil Homburg mir gar nicht die Option einer Bioklappe anbietet, andere Kliniken aber schon - zumindest grundsätzlich. Jetzt kann es natürlich sein, dass die anderen Kliniken die Befunde nicht genau geprüft haben und es dann letztlich doch heißt "Keine Bioklappe möglich". In Homburg wurde mir nämlich auch erst gesagt, dass eine Bioklappe ginge; doch bei genauerer Prüfung war es doch nicht möglich. Blöd nur, dass ich dort schon stationär für die OP aufgenommen war und ich mich naiverweise auf die Aussage im Vorfeld verlassen hatte. So musste ich dann die OP noch absagen. (Gleiches galt leider auch für die Ross OP) So etwas will ich kein zweites Mal haben, daher die Frage nach Erfahrungen anderer Forumsmitglieder.

 

Mir wäre eine Bioklappe nämlich irgendwie (trotz Re-OP) lieber. Nur wenn es einen medizinischen Konsens darin gäbe, dass in meinem Fall z.B. aufgrund anatomischer Gegebenheiten (Größe Aortenwurzel, Klappenring,...) nur die mechanische Klappe sinnvoll wäre, würde ich die mechanische Klappe als Plan B wählen.

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Hallo,

 

Du könntest hier im Forum nach „Ozaki“ suchen und im Helios Klinikum Krefeld bei Dr. Benedik um eine Einschätzung bitten.

 

Alles Gute!

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Hi,

 

ich bin im gleichen Alter (42) und auch bis auf die Bindegewebsschwäche gleich unterwegs.

Zur Bioklappe: Mein Arzt hatte mir erklärt, dass aufgrund des Alters (Anfang 40) + sportlicher Körpertyp eine Bioklappe sehr schnell verkalken wird und somit auch wieder undicht wird, wie die bikuspide Aortenklappe. Normal halten solche Klappen bei ü70jährigen zwischen 10-15 Jahren und somit sind solche Patient schon nahe der Mortalität. Bei jungen Patienten verschleißen die Klappen sehr viel schneller und Re-OPs sollte man bestenfalls ausschließen, weil es auch nicht unendlich möglich ist eine Bioklappe einzusetzen.

Ich war auf Ross geplant mit PlanB mechanisch. Nach den finalen Untersuchungen musste mein Arzt mir "leider" mitteilen, dass doch nur eine mechanische Klappe möglich ist, die ich einen Tag später bekomme habe.

Mach dir wegen Marcumar oder Klicken keinen Kopf.

Ich bin jetzt nach einem 3/4 nach der OP super zufrieden, mein Kardiologe sagte gerade auch, das alles super aussieht. Keine Undichtigkeiten an Klappe und Aortenersatz.

Vertraue den Ärzten, die wissen was sie tun und wenn Sie zu einem offenen Dialog bereit waren, gibt es einem ja auch ein besseres Gefühl, als wenn Sie wie die "Halbgötter in Weiß" daher reden.

VG

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Eine OP am Herzen ist schon ein sehr großer Stress für den Körper, das steckt man nicht so leicht weg.

Und je älter man wird, je schlechter steckt man sowas weg. 

Ich würde alles tun um nicht wieder operiert werden zu müssen.

Eine Bio Klappe wird, wie oben erwähnt nur 5 Jahre halten, außer die legst dich schonmal ins Altenheim und schonst dich, dann sind 10-15 Jahre locker drin.

 

Ansonsten denk ich dass du bestimmt eine Klinik finden wirst die dir eine Bio Klappe einsetzt, wenn du drauf bestehst.

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Hallo,

 

 danke für die Antworten.

 

vor 22 Stunden schrieb 4Takt:

Du könntest hier im Forum nach „Ozaki“ suchen und im Helios Klinikum Krefeld bei Dr. Benedik um eine Einschätzung bitten.

 

Hatte ich für mich eigentlich schon ausgeschlossen. Vielleicht muss ich da noch mal drüber nachdenken. Allerdings könnte es sein, dass - ähnlich wie die Ross-OP - das Verfahren für mich (Bindegewebsschwäche) nicht geeignet ist.

 

vor 17 Stunden schrieb flophi:

Vertraue den Ärzten, die wissen was sie tun und wenn Sie zu einem offenen Dialog bereit waren, gibt es einem ja auch ein besseres Gefühl, als wenn Sie wie die "Halbgötter in Weiß" daher reden.

 

Das Vertrauen war leider das Problem. Im Vorfeld wurde mir anderes erzählt als dann kurz vor der OP. Daher musste ich die OP kurz vorher absagen.

 

vor 5 Stunden schrieb shabeel:

Eine Bio Klappe wird, wie oben erwähnt nur 5 Jahre halten, außer die legst dich schonmal ins Altenheim und schonst dich, dann sind 10-15 Jahre locker drin.

Wobei mir die 5 Jahre als Schätzung doch sehr pessimistisch vorkommen (in der ambulanten Sprechstunde zuvor war noch von 9 Jahren die Rede - und da wurde die Inspiris dort noch nicht eingesetzt) . Klar ist, man kann nicht in die Zukunft schauen. Die mechanische Klappe hat aber sowas Endgültiges... Mein Problem ist jetzt das Aneurysma, das "entschärft" werden muss (die Klappe geht ja noch). Daher war (und ist) meine Idee, die Klappe - wenn doch nicht rekonstruierbar - erstmal temporär zu versorgen und das Problem dann später mit dem dann aktuellen Stand der Technik anzugehen. Es sei denn, die Bioklappe verschleißt in meiner Konstellation (wg. z.B. Anatomie) zu schnell.

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Hallöchen...wollte nur mal sagen das meine bioklappe schon über 5jahre alt ist...und dafür musste ich mich nicht ins Altenheim legen ...und es ist immer noch keine verkalkung oder anderes zu sehen...tut mir leid für dich shabeel das die 5 jahre nicht ganz stimmen 

Alles Gute

LG jana

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Am 26.7.2022 um 10:12 schrieb Herzkasper:

Hallo Anne,

 

ein DAH ist bei mir nicht möglich, da meine Aortenklappe sehr groß ist und es so gut wie unmöglich ist, für diese Größe eine Spenderklappe zu bekommen.

 

Die Bindegewebsschwäche wurde nicht näher diagnostiziert; es hieß nur "Bindegewebsschwäche => keine Ross OP möglich"

 

Ich bin nur verwirrt, weil Homburg mir gar nicht die Option einer Bioklappe anbietet, andere Kliniken aber schon - zumindest grundsätzlich. Jetzt kann es natürlich sein, dass die anderen Kliniken die Befunde nicht genau geprüft haben und es dann letztlich doch heißt "Keine Bioklappe möglich". In Homburg wurde mir nämlich auch erst gesagt, dass eine Bioklappe ginge; doch bei genauerer Prüfung war es doch nicht möglich. Blöd nur, dass ich dort schon stationär für die OP aufgenommen war und ich mich naiverweise auf die Aussage im Vorfeld verlassen hatte. So musste ich dann die OP noch absagen. (Gleiches galt leider auch für die Ross OP) So etwas will ich kein zweites Mal haben, daher die Frage nach Erfahrungen anderer Forumsmitglieder.

 

Mir wäre eine Bioklappe nämlich irgendwie (trotz Re-OP) lieber. Nur wenn es einen medizinischen Konsens darin gäbe, dass in meinem Fall z.B. aufgrund anatomischer Gegebenheiten (Größe Aortenwurzel, Klappenring,...) nur die mechanische Klappe sinnvoll wäre, würde ich die mechanische Klappe als Plan B wählen.

Ah ok!

 

Ich war damals sowieso gegen eine Rekonstruktion und nicht traurig darüber, dass sie nicht machbar war. Ich weiß nicht, ich hatte für mich damit kein gutes Gefühl.

Zur Haltbarkeit der Bioklappe wurde mir gesagt, dass die Herstellerangaben 10-15 Jahre sagen, aber der Durchschnitt nach 7-8 Jahren eine neue benötigt. So die Aussage des Arztes am Berliner Herzzentrum. Ich konnte mir damals die Klappen auch ansehen und anfassen, was mir bei der Entscheidungsfindung geholfen hat.

Gibt es für dich eine Alternativklinik, wohin du dich wenden könntest? Ich gurke mittlerweile von Berlin nach Hannover, da ich dort mit meiner Bindegewebsgeschichte und dem Klappenersatz sehr gut aufgehoben bin. Die Ärzte gehen auch auf alles einzeln ein und ich bekomme auf meine Fragen auch eine Antwort. Bin echt dankbar dafür :)

 

 

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Moin,

 

in 2014 hatte ich eine Aorten OP mit Ersatz auch Teilbogen.

 

Die Klappe wurde nach „David“ Reimplantiert. Eine absolute Empfehlung. Ich brauche deshalb keinerlei Medikamente.

 

Als Alternative hatte ich, damals 55, die Schweine- oder die Mechanische.

 

Die Belastung einer Neu-OP sollte man nicht unterschätzen.

 

Aber aus der Nummer bin ich, zumindest wenn alles normal bleibt,

raus.

 

Gruss

Gerdi

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Am 27.7.2022 um 19:14 schrieb Jana71:

Hallöchen...wollte nur mal sagen das meine bioklappe schon über 5jahre alt ist...und dafür musste ich mich nicht ins Altenheim legen ...und es ist immer noch keine verkalkung oder anderes zu sehen...tut mir leid für dich shabeel das die 5 jahre nicht ganz stimmen 

Alles Gute

LG jana

Das kann man wohl auch nicht genau sagen, wie lange das dann wirklich halten wird.

Und es kommt wohl auch drauf an was man macht.

Ich kenne Leute die sind über 70 und fahren im Jahr noch über 7000km Fahrrad(ohne Elektro Antrieb), und ich kenn Leute die sind Mitte 30, die sitzen nach ihrem Bürojob daheim nur vorm Fernseher und fahren 200m zum Zigaretten holen mit dem Auto.

 

Ich muss dazu sagen dass man mich auch garnicht gefragt hat welche Klappe ich will, ich bin nach der Not-OP mit künstl. Klappe aufgewacht und wusste nicht mal das ich eine habe, hat man mir alles später erzählt. Der Arzt meinte damals in meinem Alter würde eine Bio Klappe garkeinen Sinn machen, deshalb hat man mir direkt eine mechanische eingesetzt.

 

Ich zumindest würde, wenn ich Anfang 40 wäre, eine mechanische Klappe wählen, denn eine re-op würde wohl unweigerlich stattfinden mit einer Bio Klappe. Das die maximal 15 Jahre oder kürzer hält ist ja bekannt. 

Eine OP ist eine riesen Belastung, eine neu-op käme für mich nicht in Frage.

 

 

Edited by shabeel
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Posted (edited)

Soderle.

 

Habe nun ein Gespräch mit der Sana Herzchirurgie in Stuttgart gehabt.

 

Und siehe da: Bioklappe geht als Plan B - und vermutlich wird diese auch länger als fünf Jahre halten.

 

Im Jahre 2020 hatte ich mich schon einmal informiert. Da war die Meinung zur Ross-Op:

  • Homburg: "Geht zu 99%"
  • Sana Herzchirurgie Stuttgart: "Nicht empfohlen bei bikuspider Klappe mit Insuffizienz"

Nun hat sich das komplett gedreht:

  • Homburg: "Upps. Ross geht doch nicht. Bindegewebsschwäche"
  • Sana Herzchirurgie Stuttgart: "Ross geht nun grundsätzlich doch."

Hmmm...

 

Ob ich die Ross-Op tatsächlich als mgl. Plan B machen soll, weiß ich zwar noch nicht (Tendenz: Eher nicht wg. Zwei-Klappen-Problem), dennoch wundert mich das schon.

 

Und dann die Sache mit der Bioklappe: Es gab schon Einträge im Forum, wo Homburg trotz sehr geringer prognostizierter Haltbarkeit (2-4 Jahre) dennoch die Bioklappe als Notfallplan zuließ. Bei mir (erst 9, dann 5 Jahre) ging es komischerweise nicht... Ich frage mich sowieso, wie diese Schätzungen zustande kommen. Aus dem Bauch raus oder evidenzbasiert? Wenn kaum Bioklappen bei jungen Patienten "verbaut" werden, wird man wohl kaum verlässliche Zahlen zur Haltbarkeit haben...

 

Edited by Herzkasper
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Ein guter Freund hat sich 2014 für eine Bio-Klappe entschieden und hat bis heute keine Probleme damit. Er ist jetzt 66 Jahre alt.

 

Damals wurde ihm im Rahmen der Beratung gesagt, dass die Bio-klappe  5-10 Jahre hält. Ausserdem wurde in Aussicht gestellt, dass eine mögliche künstliche Klappe dann minimal-invasiv "eingebaut" werden könnte. Das war in Bad oeynhausen.

 

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Ich hatte mich bei meiner ersten OP nur für eine Bioklappe entschieden, da ich jung war und noch nicht wusste, ob ich mal Kinder will. Mit Marcoumar wäre dies um einiges komplizierter geworden. Und ich wusste, dass man die Aorta sehr wahrscheinlich irgendwann auch operieren muss, sprich dass ich eh nochmal unters Messer muss. Die Klappe war nach knapp 8,5 Jahren komplett verkalkt und da das Aneurysma dann auch operiert werden musste (was ja nicht minimal-invasiv geht), habe ich mich bei der zweiten OP für die künstliche Klappe entschieden. Nochmal operieren wollte ich nicht und so habe ich jetzt hoffentlich bis zum Schluss Ruhe.

Ich lebe sehr gut mit der künstlichen Klappe (und dem Marcoumar) und bereue es keine Sekunde. Bin fitter als je zuvor und fühle mich nirgends eingeschränkt!

 

Wäre ich in deiner Situation, würde ich sofort die mechanische Klappe nehmen, da man wegen dem Aortenersatz ja sowieso grad alles öffnen muss und dann hast du danach dafür Ruhe.

Ich habe bisher auch nicht ganz rauslesen können, warum du dich so gegen eine künstliche Klappe wehrst?! Du schreibst nur, dass dir die biologische lieber ist, aber nicht warum. Oder ich habe es überlesen.... Was sind denn deine Gedanken dazu? Vielleicht können wir dir da gewisse Ängste oder Bedenken nehmen

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Hallo,

bei mir hielt die biologische Klappe Metronic Freestyle 14 Jahre. Ich war bei der OP 46 Jahre.

Im Anschluß die mechanische nur 2 Jahre, denn ich hatte eine Endokarditis.

Jetzt haben die Ärzte auf ihre Entscheidung wieder eine biologische Klappe, die Inspiris Resilia von Edwards eingebaut. Ich hatte gesagt, sie sollen das machen, was geht.

Es war eine Not-OP.

Ich hoffe sehr, dass sie lange hält und ich keine Endokarditis wieder bekomme. Meine Psche ist nach der 3. OP ziemlich am Boden

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Hallo Lucy,

 

das ist großes Pech, kann aber mit einer biologischen Klappe genauso passieren. Es ist daher kein Argument gegen eine mechanische Klappe.

Meine mechanische Aortenklappe funktioniert seit fast 14 Jahren einwandfrei und auch die Gerinnungshemmung mit Marcumar ist kein Problem.

 

Grüße
Dietmar

 

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Die Wahl des Klappentyps ist für arme Würste (also Herzpatienten < ca. 60 Jahre) im Jahre 2022 leider immer noch ein Problem.

 

Letzlich läuft es immer auf die Frage hinaus "Re-Operation oder Marcumar"?

 

Im Vorfeld weiß man vieles nicht:

 

So kann es natürlich sein, dass bei Wahl einer Bioklappe aufgrund anderer Erkrankungen wie z.B. Vorhofflimmern nicht doch Marcumar genommen werden muss. Oder dass eine mechanische Klappe frühzeitig den Geist aufgibt.

 

Auch kann man hoffen, dass die Bioklappe lange hält und mit TAVI gearbeitet werden kann. Oder dass Herzklappen zukünftig per 3D-Drucker ausgedruckt werden oder aus eigenem Gewebe nachgezüchtet werden können... Oder dass bessere Medikamente für die Gerinnungshemmung auf den Markt kommen etc.

 

Die Entscheidung ist m.E. im Grunde eigentlich unmöglich zu treffen, muss aber getroffen werden...

 

Jeder muss sich da eine individuelle Strategie zur Entscheidungsfindung zurechtlegen.

 

Meine Philosophie ist die:

 

Leitlinie der Entscheidung ist Antwort auf die Frage, ob ich eine temporäre oder dauerhafte Lösung möchte.
Bei temporärer Lösung besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, auf Gerinnungshemmer verzichten zu können und bei Re-Operation auf den aktuellen Stand der Forschung zurückgreifen zu können - unter Inkaufnahme der Re-Operation. Eine dauerhafte Lösung bietet eine hinreichend große Chance ohne Re-Operation durchzukommen, jedoch nur unter Inkaufnahme der dauerhaften Gerinnungshemmung.

 

Demzofolge gibt es für mich zwei "Schienen":

  • Schiene 1 - "dauerhafte Lösung": Bentall-OP
  • Schiene 2 - "temporäre Lösung": Plan A David-/Yacoub-OP Plan B Bioklappe (Ross, Ozaki, DAH sind nicht möglich bzw. nicht gewollt)

 

Es ist in meinen Augen inkonsistent, als Plan A auf die Rekonstruktion zu setzen (die bei bikuspiden Klappen mit Sicherheit nicht lebenslang halten wird) und dann als Plan B die mechanische Klappe zu wählen. Das wäre nur dann zwingend, wenn ein medizinischer Konsens darin bestünde, dass in meinem Fall als Plan B nur die mechanische Klappe möglich wäre. (Letzteres war ja auch der Grund für den Thread hier...)

 

Ich habe mich für Schiene 2" entschieden. Auch deshalb, weil ich die endgültige Entscheidung für einen Klappentyp auf später vertagen möchte und jetzt primär nur das Aneurysma entschärfen möchte.

 

Soviel zu meiner Logik...

 

Für mich sind entscheidende Nachteile der mechanischen Klappe:

  •  dauerhafte Gerinnungshemmung und damit verbundene Risiken - das summiert sich über Jahre auf...
  • Abhängigkeit von Medikamenten: Mich beunruhigt die Zukunft. Klimawandel, Krieg, Pandemien und die damit verbundenen Folgen wie z.B. gestörte Lieferketten können dazu führen, dass heute selbstverständliche Dinge wie jederzeiter Zugriff auf Medikamente wie Marcumar nicht mehr gelten müssen. Was ist z.B. wenn aufgrund eines großen Waldbrandes meine Region Opfer der Flammen wird und ich mehrere Wochen ohne Marcumar auskommen muss? Oder ich fliehen muss und mein Marcumar-Vorrat ausgeht? (Klar, auch bei einer Re-Operation im Falle einer Bioklappe wäre man abhängig u.a. von einem funktionierenden Gesundheitssystem; das ist man aber sowieso, z.B. wenn man von einem Auto über den Haufen gefahren wird). Bei Wanderungen im Ausland z.B. muss immer an Medikamente und Messgerät gedacht werden. Was ist, wenn man etwas davon verliert oder es gestohlen wird?
  • Wechselwirkung bei mehreren Medikamenten: Wir werden nicht jünger. Und nicht gesünder. Vermutlich werden weitere Medikamente im Laufe des Lebens eingenommen werden müssen. Jede Medikament, das eingespart werden kann, wäre hilfreich. Die Wechselwirkungen sind schon ab drei Medikamenten kaum zu überblicken.
  • weitere Risiken durch mechanische Klappe wie z.B. höheres Schlaganfallrisiko
  • Klappengeräusche und psychische Belastung dadurch: Es gibt wohl Menschen, die nicht schlafen können deshalb und wo die mechanische Klappe wieder ausgebaut werden muss. Ob ich zu diesem Typus gehöre, weiß ich im Vorfeld nicht...
  • Endgültigkeit - Ja auch das kann ein Nachteil sein, da die mechanische Klappe ja im Normalfall lebenslang drinbleibt und man somit auch noch in 40 Jahren mit dem Stand von 2022 rumläuft...

Problematisch ist auch, dass ich noch keine Erfahrungen mit Herz-OPs habe (es ist meine erste...) und ich nicht beurteilen kann, wie schlimm es die ersten Tage/Wochen danach wirklich ist. Vielleicht ist es aber gar nicht so schlimm...oder doch?

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Hallo Herzkasper,

 

natürlich ist die Wahl des Klappentyps immer eine sehr individuelle Sache. Wobei, wenn man die Wahl hat, ist man schon privilegiert. Im Falle einer dringenden Not-OP entscheidet der Chirurg nach eigenem Ermessen, welche Klappe er einbaut. Damit muss man dann auch leben.

Für mich war die Entscheidung zu einer mechanischen Klappe eine ganz bewusste. Wäre es nach meinem Operateur gegangen, hätte ich eine biologische Klappe bekommen und wäre womöglich schon ein zweites Mal operiert worden. 

Nein, eine Re-OP wollte und will ich auf jeden Fall vermeiden. Die Vorstellung, das ganze Prozedere ein zweites Mal durchmachen zu müssen, lässt mich erschaudern, obwohl die erste OP ohne Komplikationen ablief.

Auch rückblickend auf die vergangenen Jahre mit der mechanischen Klappe würde ich mich auch heute wieder dafür entscheiden. Natürlich sind die von dir genannten Nachteile einer mechanischen Klappe auch nicht von der Hand zuweisen. Vor allem die Abhängigkeit von einem Gerinnungshemmer macht mir in diesen unsicheren Zeiten auch etwas Sorgen. Ich begegne dem mit einem immer vorhanden Medikamentenvorrat für wenigstens ein Jahr. Andererseits bietet das Leben nun mal immer irgendwelche Gefahren und irgendwann ist es eben vorbei. Mit meinen 66 Jahren habe ich den größten Teil meines Lebens schon absolviert und kann eigentlich locker in die Zukunft sehen. Die vergangenen 14 Jahre mit der mechanischen Klappe waren sehr entspannt, ohne wirkliche Angst vor einer Re-OP. Allein dafür hat sich meine Entscheidung gelohnt. Was kommen wird, weiß nur der Wind ...

 

Grüße
Dietmar

 

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Also "arme Würste" finde ich schon etwas übertrieben gesagt.

Tatsächlich mache ich mir, was die Lieferkette des Marcumar angeht, nciht große Sorgen. Marcumar wird von Meda in Deutschland und als Marcoumar in Slowenien hergestellt. Letzteres auch wieder importiert. Alternativ würde es ja auch Falithrom und Warfarin geben und diverse Generika wie Marcuphen, Phenpro und wie sie nicht alle heißen.

Ich wurde auch schon mal gefragt, warum nicht die TAVI in Erwägung gezogen wurde. Es ist für hochbetagte sicherlich die einfachere, stressärmere Variante, jedoch ist das Schlaganfallrisiko bei der TAVI höher als bei der konventionellen Methode. Ich muss zugeben, dass ich mein Messgerät bisher nie irgendwo mit hingenommen habe. Meine Tabletten hab ich vorbereitet und falls was ist, würde ich eh den nächsten Arzt bzw. Krankenhaus aufsuchen.

Bisher hatte ich einen INR Ausreisser nach oben und das auch nur, weil ich krank war und der Entzündungswert in der Zeit nach oben schoss. Ansonsten mach ich alles was mir Spaß macht und mach mir ehrlich gesagt wenig Gedanken um's Marcumar oder so.

Das hat sich gut eingependelt.

 

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Hi Herzkasper, 

 

auf die Frage, ob Do eine Herzklappe OP schlimm ist, würde ich kurz meine Erfahrung mitteilen.

 

Ich wurde in Oktober 2018 operiert und habe ich psychisch erst jetzt in 2022 erholt und „fast“ wie früher. 
Ich hatte nach der OP eine Anpassungsstörung und hatte Panikattacken. 
Seit der OP begleiten mich ständige Angst und Sorgen um meine Gesundheit…

 

Seit einem halben Jahr geht es mir gut. Ich kann das Leben genießen. 
 

Ich habe auch eine mechanische Aorteklappe. Mit Marcumar komme ich gut klar. Das Selbsttesten ist ein Segen. 
 

Dir eine gute Entscheidung! 
 

LG

 

bea

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Hallo,

es sollte bei mir gar keine Entscheidungshilfe sein, die gegen eine mechanische Klappe spricht. was ich sagen wollte, dass eine biologische Klappe auch mal 14 Jahre halten kann, auch wenn man erst 46 Jahre alt ist, schlank und sportlich. Ich bin noch nicht auf dem Friedhof. Ich habe in dieser Zeit keine Einschränkungen gehabt und konnte auch Skifahren. das kann man halt mit der mechanischen nicht mehr. 2 schwere Fahrradstürze und ein zerschmetterter Ellbogen durch einen Sturz von der Bauleiter. Gut, wenn man da keinen Blutverdünner hat.

Mit der mechanischen Klappe war ich Selbstester. Ich hatte Ausreißer, die durch meine Endokarditis bedingt waren, wie ich jetzt weiß. Häufiges Fieber und so.

Die Entscheidung für die neue Bioklappe haben in der Not-OP die Ärzte getroffen. Ich bin froh, über die Entscheidung. Einerseits, dass mir die schwierige Entscheidung abgenommen wurde und auch, weil ich doch auch zur biologischen mehr tendiere. Aber wie ihr sagt, es gibt viel für und wieder und alles hat Vor und Nachteile.

Ich habe jetzt 3 OP am offenen Herzen hinter mir. Jede war anders, jede machbar und doch ist es ein Albtraum, den man zu bewältigen hat.

Jetzt habe ich entweder Glück und es gibt später nur noch TAVI für mich, oder das war's dann. Mehr geht nicht mehr. Ich genieße jetzt die gute Zeit, die ich noch habe.

Alles eine Einstellung vielleicht. Wir kennen die Zukunft wirklich nicht.

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Hi Lucy,

 

du hattest zu erst eine mechanische Klappe und diese musste ausgetauscht werden wegen der Endokarditis? 
 

welche Symptome hattest du bei der Endokarditis?

 

vielen Dank

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Moin Herzkasper,

 

„… Demzofolge gibt es für mich zwei "Schienen":

  • Schiene 1 - "dauerhafte Lösung": Bentall-OP
  • Schiene 2 - "temporäre Lösung": Plan A David-/Yacoub-OP Plan B Bioklappe (Ross, Ozaki, DAH sind nicht möglich bzw. nicht gewollt)…“

Wieso ist Reimplantat nach David für Dich temporär?

 

Gruss

Gerdi

 

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Hallo Gerdi,

 

bei einer David-/Yacoub-Operation muss man bei bikuspiden Klappen nach ca. 10 Jahren mit einer Reoperation rechnen. Die Bandbreite variiert stark und hängt von vielen Faktoren ab (Chirurg, Zustand der Aortenklappe,...). So kann bereits nach einigen Monaten aber auch erst nach 20-25 Jahren eine Reoperation nötig sein. Man weiß es nicht. Bei trikuspiden Klappen ist das anders; hier sind zwar auch Reoperationen möglich, aber man hat nach meinem Kenntnisstand gute Chancen, ohne erneute Operation durchzukommen.

 

Es gibt Studien, die zeigen, dass die Reoperationswahrscheinlichkeit bis ca. 10 Jahre nach der Operation bei bi- und trikuspiden Klappen relativ niedrig ist, wenngleich diese bei bikuspiden Klappen höher als bei trikuspiden ist. Ab ca. 10 Jahre Post-OP nimmt die Reoperationswahrscheinlichkeit bei trikuspiden Klappen zwar zu, aber auf einem relativ niedrigen Niveau, wohingegen bei biskuspiden Klappen eine rapide Zunahme der Reoperationswahrscheinlichkeit zu beobachten ist.

 

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Moin Herzkasper,

 

die OP nach „David“ beinhaltet immer das Reimplantat der eigenen - und funktionstüchtigen Klappe.

 

Werden fremde Klappen genutzt gibt‘s dafür vielleicht auch einen Namen des OP-Verfahrensentwicklers. Aber der wird nicht „David“ heißen. Vielleicht ja doch. Dann hat Dr.David 2 Verfahren entwickelt die nach ihm benannt sind.

Aber ich lasse mich da gerne, mit Quellenangabe, eines Besseren belehren.

 

Um noch einmal für unkundige klarzustellen: Meine „David“ OP hält lebenslang. Wenn meine eigene Herzklappe, die bei der „David“OP reimplatiert wurde, nicht schlapp macht. Eine Re-OP ist NICHT notwendig und eigentlich auch nicht vorgesehen.

 

Gruss

Gerdi

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