Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen sind ein komplexes Thema. Die meisten Menschen haben schon einmal eine Herzrhythmusstörung gehabt (unabhängig, ob sie herzgesund sind oder an einer Herzkrankheit leiden). Viele Menschen haben oft Herzrhythmusstörungen und einige müssen mit einer dauerhaften Herzrhythmusstörung leben. Daraus können Sie erkennen, dass Herzrhythmusstörung nicht gleich Herzrhythmusstörung ist. Für viele Menschen stellt sich die Frage, ob die sie betreffende Herzrhythmusstörung harmlos oder gefährlich ist, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, und ob als betroffener Patient sie selbst etwas zur Verhinderung dieser Herzrhythmusstörung tun können.
Die meisten Patienten mit Herzklappenfehlern weisen Herzrhythmusstörungen auf. Bei einigen Patienten können Herzrhythmusstörungen durch eine Herzklappen-Operation abnehmen, bei anderen Patienten dagegen sich steigern. Durch die tägliche Betreuung von Patienten mit Herzklappenerkrankungen, insbesondere nach einer Herzklappen-Operation, kenne ich die Probleme dieser Mitmenschen.
Herzrhythmusstörungen gehören zu dem oft angesprochenen Themenkreis. Der reibungslose Ablauf der lebensnotwendigen Herzaktionen, also das rhythmische Schlagen des Herzens, unterliegt einer Reihe komplizierter Steuerungsmechanismen.
Voraussetzung für das Verständnis der Herzrhythmusstörungen ist die Kenntnis der normalen Herzfunktion, insbesondere des normalen Herzrhythmus. Nachfolgend soll der normale Herzrhythmus kurz dargestellt werden bzw. erklärt werden, wie ein Herzschlag entsteht.

Das Herz erfüllt die Funktion einer Pumpe, die den Blutfluss im menschlichen Kreislauf in Gang hält und letztlich dadurch die Zellen aller Organe mit Sauerstoff, Nährstoffen und anderen lebensnotwendigen Substanzen versorgt. Diese Pumptätigkeit des Herzens wird durch ein herzeigenes Reizbildungs- und Reizleitungssystem gesteuert. Es handelt sich dabei um elektrische Impulse, die dafür sorgen, dass sich der Herzmuskel im ständigen Wechsel zusammenzieht und erschlafft. Der Taktgeber oder die Zündung für diesen elektrischen Impuls ist der Sinusknoten, der im Bereich der oberen Muskelwand des rechten Vorhofs liegt. Es handelt sich um spezialisierte Muskelzellen, die an dieser Stelle als ein sogenannter »Knoten« gebündelt sind und je nach Erfordernis zwischen 50- bis ca. 150mal pro Minute einen Impuls aufbauen. Dieser Impuls breitet sich über das Herz aus und bewirkt ein Zusammenziehen des Herzens (= eine Kontraktion). Dadurch wird das zuvor aus den Vorhöfen in die Herzkammern geflossene Blut ausgepresst. In der daran sich anschliessenden Erschlaffungs- oder Erholungsphase saugen die fast leeren Herzkammern wieder Blut aus den Vorhöfen an.
Die Ausbreitung der elektrischen Impulse vom Sinusknoten über die Vorhöfe und dann weiter über die Herzkammern erfolgt durch ein Reizleitungssystem (spezifische Muskelbahnen). Zwischen dem Reizleitungssystem der Vorhöfe und dem Reizleitungssystem der Herzkammern bündeln sich die Reizleitungsbahnen gleichsam in der Mitte des Herzens, nämlich im Atrio-Ventrikular-Knoten (Atrium = Vorhof, Ventrikel = Herzkammer). Fällt durch Störung der Sinusknoten als Taktgeber aus, so kann der AV-Knoten als Impulsquelle einspringen; der AV-Knoten ist jedoch nur ein Ersatz, d. h. er kann nicht die gleiche Leistung erbringen. Er ist jedoch ausreichend stark, um mit einem (gegenüber dem Sinusknoten) etwas verlangsamten Ersatzrhythmus die Herztätigkeit und die Herzleistung zunächst sicherzustellen. Dabei können allerdings körperliche Beschwerden wie Schwindel oder allgemeine Leistungsschwäche auftreten. Kommt es auch zu einem Versagen des AV-Knotens, so können auch weiter entfernt liegende Stellen (z. B. das sogenannte Hiss-Bündel) die Rolle des Taktgebers übernehmen, wobei die Herzfrequenz noch weiter verlangsamt wird und z. B. Bewusstlosigkeit die Folge sein kann.
Das bisher Beschriebene lässt sich dahingehend zusammenfassen, dass Herzrhythmusstörungen dann entstehen, wenn der Impulstaktgeber (Sinusknoten) und/oder das Reizleitungssystem in irgendeiner Weise gestört sind.

Registrierung der elektrischen Erregungsausbreitung des Herzens
Zur Aufzeichnung des elektrischen Stromes im Herzen dient das EKG (Elektrokardiogramm). Dieses EKG ist in der Lage, die Ministromstärken der elektrischen Herzflüsse auf Papier darzustellen. Hierfür legen der Arzt oder die Arzthelferin Elektroden an bestimmte Punkte der Brustkorboberfläche und an Armen und Beinen des Patienten an. Kabel verbinden die Elektroden mit dem Aufzeichnungsgerät, wo die Herztätigkeit mittels eines empfindlichen Schreibers auf Papier aufgezeichnet bzw. übertragen wird.
Eine normale Herzaktion ergibt ein ganz typisches Kurvenbild mit entsprechenden Rundungen und Zacken. Bei Herzrhythmusstörungen oder bei anderen Herzkrankheiten kann dieses Kurvenbild verändert aussehen (z. B. nach einem Herzinfarkt oder bei einer Herzmuskelverdickung). Da das EKG die einfachste diagnostische Methode für den ersten Nachweis von Herzrhythmusstörungen oder anderen Herzerkrankungen ist, wird es sehr häufig eingesetzt; darüber hinaus ist das Aufzeichnen eines EKGs für den Patienten harmlos und ungefährlich.
Dr. med. Klaus Undeutsch, 57319 Bad Berleburg

(Jan. 2000)