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Das Stolperherz

Herzrhythmusstörungen werden medizinisch als »Extrasystolen« (d. h. Extraherzschläge oder im Volksmund »Herzstolpern«) bezeichnet. »Herzstolpern« wird häufig mit »Herzklopfen«, »Herzklabaster« oder »Herzzucken« gleichgesetzt. Es wird dann auch von dem »Stolperherz« gesprochen. Beim »Herzstolpern« bzw. beim »Stolperherz« werden eigene Herzschläge als subjektiv unangenehm empfunden. Manche spüren das »Herzstolpern« als einzelne »Aussetzer«, d. h. der Herzrhythmus ist verlangsamt; andere nehmen das »Herzstolpern« als eine Beschleunigung des Herzschlages wahr; wiederum andere fühlen beim »Herzstolpern« Unregelmässigkeiten ihrer Herztätigkeit. Viele Menschen wiederum verspüren das »Herzstolpern« wechselnd als verlangsamten, beschleunigten oder unregelmässigen Herzrhythmus.
Wenn Sie als Patient mit diesen Missempfindungen Ihren Arzt aufsuchen, wird dieser im allgemeinen Ihr Herz mit dem Stethoskop abhören und in der Regel auch ein EKG (Elektrokardiogramm) aufzeichnen (lassen). Manchmal werden Sie dann erleben, dass Ihre Empfindungen von »Herzstolpern« so kurz bzw. flüchtig waren, dass sie im EKG nicht mehr nachweisbar sind. Daher kommt dem 24-Stunden-Langzeit-EKG eine besonders grosse Bedeutung in der Aufdeckung von Herzrhythmusstörungen und den zugrundeliegenden Ursachen zu. In vielen Fällen lässt sich dadurch die für das »Stolperherz« verantwortliche Herzrhythmusstörung diagnostizieren.

Dabei handelt es sich häufig um Extraherzschläge, die ihren Ursprung in den Vorhöfen des Herzens oder den Herzkammern haben. Der Abstand eines solchen Extraherzschlages zum nächsten normalen Herzschlag kann sowohl verkürzt als auch verlängert sein; manchmal wird ein solcher Extraherzschlag auch als eine besonders kräftige Herzaktion empfunden. Neben diesen Extraherzschlägen können auch andere Herzrhythmusstörungen subjektiv als »Herzstolpern« bzw. »Stolperherz« wahrgenommen werden. Es handelt sich hier z. B. um das manchmal nur kurzfristig auftretende Vorhofflimmern mit sowohl schneller als auch langsamer Herzfrequenz oder auch um kurze Phasen eines deutlich beschleunigten, regelmässigen Herzrhythmus (Sinustachykardie). Häufig sind es auch doppelschlägige Extraherzschläge oder aber auch kurze Perioden von mehreren Extraherzschlägen.

Die Ursachen des »Stolperherzens« sind vielfältig. Bei vielen Menschen (sowohl bei Gesunden als auch bei Herzkranken) kann »Herzstolpern« durch gefühlsmässige Erregungen (sowohl freudiger wie belastender Natur) ausgelöst werden. Bei Herzkranken kann zusätzlich eine koronare Durchblutungsstörung, eine Herzmuskelerkrankung oder ein Herzklappenfehler Ursache für ein »Stolperherz« sein.
Es gibt auch Medikamente, die gelegentlich als Nebenwirkung ein »Herzstolpern« verursachen oder verstärken können. Bei manchen Menschen wird das subjektive Empfinden von »Herzstolpern« durch Koffein, Nikotin oder Alkohol ausgelöst.

Viele Patienten weisen als Ursache eines subjektiv empfundenen »Stolperherzens« ein zeitweiliges oder dauerhaftes Vorhofflimmern auf. Bei dieser Form von Herzrhythmusstörung »flimmern« die Herzvorhöfe, d. h. sie kontrahieren sich nicht mehr im Sinne eines geordneten Funktionsablaufes; die Überleitungen vom Vorhof auf die Kammer werden völlig unregelmässig.
Neben den o. g. Herzkrankheiten können auch nicht herzbedingte Erkrankungen Ursache für ein »Stolperherz« sein. Dabei handelt es sich häufig um Schilddrüsenfehlsteuerungen oder Mineralstoffentgleisungen (insbesondere Kaliummangel).
Die Diagnostik des »Stolperherzens« ist wichtig, um die zugrundeliegende Herzkrankheit genau zu erkennen. Wie oben ausgeführt, können hinter dem subjektiven Begriff des »Stolperherzens« objektiv verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen als Ursache gefunden werden. Diese unterschiedlichen Herzrhythmusstörungen bedürfen auch einer differenzierten Behandlung. In der Diagnostik sind das Ruhe-EKG und das 24-Stunden-Langzeit-EKG am wichtigsten. Häufig sind ergänzende Untersuchungen erforderlich wie z.B. ein Belastungs-EKG oder eine Echokardiographie, ggf. aber auch Herzkatheteruntersuchungen und elektrophysiologische Messungen (Herzkatheteruntersuchungen, bei denen über den Katheter an verschiedenen Stellen im Herzen der Strom gemessen bzw. Strom abgegeben werden kann).

Wie schon angedeutet, spielt für die Behandlung des »Stolperherzens« die Art und Schwere der ursächlichen Herzrhythmusstörung eine entscheidende Rolle. Bei vielen Menschen wird das subjektiv empfundene »Herzstolpern« durch einzelne Extraherzschläge verursacht, ohne dass eine organische Erkrankung nachweisbar ist. Hier ist erfreulicherweise eine Behandlung nicht zwingend notwendig. Wenn allerdings durch diese Extraherzschläge verstärkte Missempfindungen ausgelöst werden, die den Patienten subjektiv sehr beeinträchtigen, kann eine medikamentöse Therapie - meist mit einem Betablocker - versucht werden. Dabei handelt es sich also um eine symptomatische Medikation, wodurch eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht wird ohne zwangsläufige Lebensverlängerung. Wenn die Ursache eines »Stolperherzens« eine Herzkrankheit oder eine andere organische Störung ist, muss diese Erkrankung zuerst behandelt werden; häufig nehmen danach die Herzrhythmusstörungen automatisch ab.
Als nächstes sollen die Symptome des »Stolperherzens« in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit aufgeführt werden (entnommen der Broschüre »Herzrhythmusstörungen heute«, S. 23, herausgegeben von der Deutschen Herzstiftung e.V. Frankfurt/Main, 1998):

  • Herzklopfen (Palpitationen);
  • Kurzatmigkeit;
  • Schwitzen;
  • Brustbeschwerden, Druckgefühl;
  • Müdigkeit;
  • Übelkeit, Kopfschmerzen;
  • Angst;
  • Schwindel;
  • Verstärktes Wasserlassen;
  • Keine Beschwerden.

Einige Herzrhythmusstörungen, die subjektiv ein »Stolperherz« hervorrufen, haben einen ungünstigen Einfluss auf die Lebensprognose, ohne dass sie als besonders unangenehm beachtet würden oder dass sich eine bedeutsame Grunderkrankung finden liesse. Hier kann es sich um das bereits o. a. Vorhofflimmern handeln oder um das anfallsweise Auftreten von mehreren oder vielen Herzkammer-Extrasystolen in Folge.
Dr. med. Klaus Undeutsch, 57319 Bad Berleburg

(Jan. 2001)