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Vorhofflimmern noch immer nicht optimal behandelt.

Anlässlich des „Asia Pacific Cardiology Forum“ im Rahmen des Weltkongresses der Kardiologen am 18. Juni in Peking erläuterte Prof. Dr. med. M. Levi, Amsterdam, den anwesenden Journalisten bei einem Rundtischgespräch, dass Vorhofflimmern aufgrund des demografischen Wandels (wir werden alle älter) sehr stark zunehmen wird. Allein in Europa so schätzt man, leiden weit über vier Millionen Menschen unter Vorhofflimmern. Der Hauptrisikofaktor des Vorhofflimmerns ist der Schlaganfall. Einerseits, so M. Levi, bringe der Schlaganfall großes Leid in die Familien, andererseits verursachen Schlaganfälle dem Gesundheitswesen weltweit hohe Kosten.

Behandelt werde leider noch immer nicht optimal. Der Grund liege darin, dass bei der seit über 50 Jahren angewandten Behandlung mit Gerinnungshemmern es immer noch Ärzte gäbe, die aufgrund möglicher schwerer Blutungen, eine Verschreibung ablehnten. Das Risiko möglicher Blutungen zu minimieren, sei aber durch eine häufige und regelmäßige Kontrolle der INR-Werte gegeben.

Weltweit werden nur 30 % der Patienten mit Vorhofflimmern mit Gerinnungshemmern behandelt, die Schätzungen liegen aber bei 60% bis 70% die eine Behandlung benötigten.

Würden diese Hochrisiko-Patienten mit Gerinnungshemmern behandelt, so könnte die Schlaganfallrate um zwei Drittel gesenkt werden.

M. Levi verwies auf das kürzlich veröffentlichte Konsensuspapier welches von einer namhaften Expertengruppe erstellte wurde. Eine Schlussfolgerung ist, dass beim regelmäßigen Bestimmen der INR-Werte die Vorteile in der geringeren Schlaganfallrate überwiegen, selbst dann wenn schwerere Blutungen auftreten sollten.

„Je intensiver Patienten in das Gerinnungsmanagement einbezogen werden, umso weniger Thromboembolien oder stärkerer Blutungen“, so M. Levi.

Weltweit werden die INR-Werte zumeist alle vier bis acht Wochen beim Arzt/Labor oder in Kliniken bestimmt. Häufigere Kontrollen bedeuten für die Patienten einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand. Hier mag - ähnlich wie beim Bluthochdruck - die Meinung gelten: Hohe oder niedrige INR-Werte spüre ich nicht, also verlasse ich mich auf den Arzt.

Wir, die wir die INR selbst bestimmen, wissen um die möglichen Risiken und testen die INR daher mehrheitlich wöchentlich.

Christian Schaefer (Nov. 2010)