Diabetes, Vorhofflimmern, Gerinnungshemmung 

In einem Übersichtsartikel (Diabetes, Stoffwechsel und Herz, Band 19, 2010) befassen sich Dr. med. Michaela Pankow und Prof. Dr. med. Oliver Schnell mit der Frage, warum die empfohlene Behandlung mit Gerinnungshemmern überdacht werden soll. Behandelt wird nach den ACC/AHA/ESC-Leitlinien (American College of Cardiology/ American Heart Association/ European Society of Cardiology) und hier besteht – so die Autoren – eine gewisse Zurückhaltung.

Was ist gemeint? „In den ACC/AHA/ESC-Leitlinien 2006 wird eine orale Gerinnungshemmung für Patienten mit Vorhofflimmern die zwischen 65 und 74 Jahre alt sind und zusätzlich an Diabetes oder einer koronaren Herzkrankheit leiden, empfohlen. „Patienten mit Vorhofflimmern weisen ein mehrfach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall auf gegenüber Patienten ohne Vorhofflimmern. Vorhofflimmern tritt bei Typ-2-Diabetikern häufiger auf. Das Risiko steigender kardiovaskulärer Erkrankungen nimmt zu.“

Schon vor vielen Jahren hat man herausgefunden, dass ca. 13 % derjenigen Patienten die an Vorhofflimmern leiden auch Diabetiker sind. Auch hat man festgestellt, dass mit steigendem Alter das Risiko eines Schlaganfalls kontinuierlich bei dieser Patientengruppe ansteigt. Wenn z.B. ein 76jähriger Patient unter Vorhofflimmern leidet und zusätzlich einen Diabetes und zu hohen Blutdruck aufweist, so bekäme er drei Punkte. Die Punkte werden errechnet aus dem sog. CHAD2-Score. Drei Punkte bedeuten für ihn, dass sein Schlaganfallrisiko erhöht ist. In diesem Fall wäre die Behandlung mittels Gerinnungshemmer einer Behandlung mit Acetylsalizylsäure überlegen. Die Ergebnisse des Münchener Schlaganfallregisters zeigen, „dass eine häufigere Anwendung der leitlinienorientierten Therapie für die Behandlung von Diabetikern und Nichtdiabetikern mit Vorhofflimmern zu fordern ist.“

Viele Studien und Metaanalysen der letzten Jahre haben gezeigt, dass das Gerinnungs-Selbstmanagement die Risiken einer möglichen Blutung wie auch eines thrombembolischen Ereignisses mindert. Diabetiker, die eine Blutzuckermessung durchführen, profitieren ebenfalls. Es zeigt sich immer wieder, dass die aktive Mitarbeit des Patienten und seine Befähigung die Qualität der Behandlung mit Gerinnungshemmern verbessert.

„Das Ziel, das Schlaganfallrisiko zu mindern, kann nur erreicht werden, wenn gemäß den Leitlinien auch gehandelt wird und einer antithrombotischen Therapie den Vorzug gegeben wird“, so die Autoren.

Christian Schaefer (August 2010)

Was bedeutet CHADS2-Score?

Der sog. CHADS2-Score gibt dem behandelnden Arzt Richtlinien an die Hand, um Risiken zu bewerten. Die Anfangsbuchstaben CHADS übersetzt ins Deutsche Beinhalten die Worte:

  • Herzinsuffizienz
  • Bluthochdruck
  • Alter
  • diabetes
  • Schlaganfall.

Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem CHADS2-Score.

Wenn z.B. ein 76jähriger Patient unter Vorhofflimmern leidet und zusätzlich einen Diabetes und zu hohen Blutdruck aufweis, so bekäme er drei Punkte. Diese drei Punkte bedeuten für ihn, dass sein Schlaganfallrisiko erhöht ist.