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Risiken mindern – therapeutischen INR-Bereich senken?

Viele von uns die eine künstliche Herzklappe tragen, haben sicherlich im Laufe der Zeit bemerkt, dass der therapeutische Bereich nicht mehr die Bandbreite von INR 2,5 bis 4,5 hat. In den 90iger Jahren war dieser Bereich in den Antikoagulationsausweisen noch farblich hervorgehoben. Die verschienen ESCAT-Studien zeigten, dass es durchaus möglich ist, die INR-Bandbreite abzusenken. Ein INR 1,8 bis 2,8 für Patienten mit künstlicher Aortenklappe wurde international zunächst misstrauisch beäugt. Als sich dann herausstellte, dass auch ein therapeutischer Bereich von INR 1,6 auf 2,1 bzw. 2,0 bis 2,5 für Aorten- bzw. Mitralklappenersatz, ohne das Risiko eines thrombembolischen Ereignisses zu erhöhen (ESCATT III), möglich ist, schien man sich zu fragen, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind.

Auch Sie werden bei wöchentlicher INR-Bestimmung festgestellt haben, dass ein hoher Prozentsatz sich im therapeutischen Zielbereich befindet. Desto niedriger der Zielbereich, umso weniger INR-Werte liegen außerhalb dieses Bereiches. Das ist auch ein, dass die Ergebnisse der ESCAT-III-Studie so positiv sind (93% der Werte lagen im therapeutischen Bereich).

Warum kann nicht auch der therapeutische Bereich bei Vorhofflimmern abgesenkt werden? Hierzu gibt es eine aktuelle Studie von Pengo et al (Thrombosis and Haemostasis, 2010 103 2: 442-449), die sich mit der Frage beschäftigt, ob es möglich ist, Patienten mit Vorhofflimmern auf einen Zielbereich von INR 1,8 (1,5 bis 2,0) einzustellen. Die Ergebnisse zeigen, dass es möglich ist, aber nur mit engmaschigen INR-Kontrollen. Im gleichen Heft verweisen die Autoren D.A. Lane und G. Lip jedoch darauf hin, dass dies weltweit nicht der Praxisalltag ist. Sie befürworten daher den konventionellen INR-Bereich weiter beizubehalten.

Feststellen muss man, dass es in vielen Ländern immer noch zu viele Vorbehalte gegen das Gerinnungs-Selbstmanagement gibt, auch wenn uns die Studien eines Besseren belehren.

Christian Schaefer (August 2010)