Sie sind hier:  Die Kolumne > Risiko unterschätzt

Risiko eines Schlaganfalls unterschätzt

Auf dem XXI Kongress der Internationalen Gesellschaft für Thrombose und Hämostase (ISTH) am 12. Juli 2009 in Boston wies Prof. Dr. E. Hylek in ihrem Vortrag darauf hin, dass Vorhofflimmern aufgrund der älter werdenden Bevölkerung epidemisch zunehmen wird. Morbidität und Sterblichkeit sind eng mit dem Vorhofflimmern verknüpft. 15 % aller Schlaganfälle sind auf das Vorhofflimmern zurückzuführen. Hier zeige sich, dass eine therapeutische Vorsorge von großem Wert ist. Die Ergebnisse vieler Studien belegen, dass eine Behandlung mit Gerinnungshemmern das Risiko eines Schlaganfalls um annähernd 70 % senkt.  Doch nur die Hälfte aller Risiko-Patienten mit Vorhofflimmern wird medikamentös mit Gerinnungshemmern eingestellt. Unter Risiko-Patienten versteht man diejenigen, bei denen zusätzlich – neben dem höheren Alter,  Bluthochdruck, Diabetes und weitere Herzerkrankungen bestehen. „Es wäre nachlässig, nicht auf die Bedeutung der Blutdruckkontrolle hinzuweisen. Denn wenn Gerinnungshemmer für ältere Patienten verschrieben werden, ist dafür Sorge zu tragen, dass der Blutdruck engmaschig kontrolliert wird. Hierdurch werde die Rate der Schlaganfälle reduziert“, so E. Hylek.
Patienten mit Vorhofflimmern, die Gerinnungshemmer einnehmen, befinden sich – so das Ergebnis einer Studie von Connolly SJ et al – nur zwischen 46 % und 78 % im therapeutischen Bereich. „Hier werden Patienten einem unnötigen Risiko ausgesetzt.“  Je geringer der zeitliche Anteil ist in dem sich ein antikoagulierter Patient im therapeutischen Bereich befindet, desto höher das Risiko eines Schlaganfalls oder schwerer Blutung. Befindet sich die INR bei 1,7 ist das Risiko eines möglichen Schlaganfalls zweimal höher als bei einer INR von 2. Bei einer INR von 1,5 erhöht sich das Risiko auf das 3,3fache.
In dem Artikel von Connolly et al (Circulation, 2008;118:2029-2037) wird weiter ausgeführt, dass diese Ergebnisse Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik haben, denn es gibt
große Abweichungen bezüglich der Qualität der Gerinnungs-Kontrolle. Etwa die Hälfte der teilnehmenden klinischen Zentren aus 15 Ländern eine nicht ausreichende Behandlung mit Gerinnungshemmern aufwiesen, obwohl sie versuchten ihre Patienten im therapeutischen Bereich von INR 2-3 einzustellen. Eine monatliche INR-Bestimmung war Voraussetzung bei dieser Studie.
Haben Sie schon einmal nachgerechnet wie viele Tage im Jahr Sie sich im therapeutischen Bereich befinden? Je höher der Prozentsatz, desto geringer das Risiko. Die INR-Selbstbestimmung mit der zumeist wöchentlich durchgeführten Messung und einer angepassten Dosierung des Gerinnungshemmers erhöhen die Sicherheit der Behandlung mit Gerinnungshemmern.

Christian Schaefer ( Sept. 2009)