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Vorhofflimmern: wird zu wenig antikoaguliert?

N.K. Choudhry untersuchte anhand einer Studie (BMJ 332,2006), wie amerikanische Ärzte auf Blutungen reagieren, wenn ihre Patienten mit Vorhofflimmern Gerinnungshemmer einnehmen. In diese Studie wurden 530 Ärzte einbezogen, deren Patienten unter Vorhofflimmern litten wobei jeweils ein Patient pro Arzt aufgrund einer Blutung stationär eingewiesen werden musste sowie ein Patient pro Arzt der aufgrund eines Schlaganfalls - jedoch ohne Einnahme eines Gerinnungshemmers - stationär behandelt wurde.  Verglichen wurde wie die Ärzte ihr Verschreibungsverhalten  nach diesen Vorfällen veränderten. Und hier stellte man fest, dass 21 % weniger Gerinnungshemmer verschrieben wurden  nachdem ein Ereignis wie eine Blutung aufgetreten war. Dagegen war keine Veränderung im Verordnungsverhalten zu beobachten bei nicht antikoagulierten Patienten die einen Schlaganfall erlitten hatten. Die Schlussfolgerung des Autors war, dass Patienten mit Vorhofflimmern zu selten Gerinnungshemmer erhalten, weil Ärzte die Risiken einer Gerinnungshemmung überschätzen.
E.M. Hylek, Boston, wies auf dem ISMAA/ISMAAP-Symposium anlässlich des Europäischen Kardiologen-Kongresses in Wien (2. Spet. 2007) daraufhin, dass in den USA 58 Milliarden Dollar allein für die Versorgung von Schlaganfall-Patienten aufgewendet werden. Ein besseres INR-Monitoring und ein gezieltes Einhalten des therapeutischen INR-Wertes könne viele Schlaganfälle vermeiden helfen. Prof. J. Ansell, Boston, betonte auf dem ISMAA/ISMAAP-Symposium,  dass Ärzte immer noch das Risiko eines Schlaganfalls bei Patienten mit Vorhofflimmer unterschätzten.
Welche Schlussfolgerungen können wir für uns daraus ziehen? Vorhofflimmern birgt einerseits die Gefahr einen Schlaganfall zu erleiden, andererseits die Chance durch die Gabe von Gerinnungshemmern dieses Risiko zu mindern. Das Einhalten des empfohlenen therapeutischen Bereichs bei Vorhofflimmern von INR 2,0 bis 3,0 kann durch eine engmaschige INR-Kontrolle erreicht werden. Das Blutungsrisiko lässt sich dadurch verringern. Wenn man Risiko und Nutzen gegeneinander abwägt, erscheint die Gerinnungshemmung als der bessere Weg.

Christian Schaefer (Dez. 2007)