Aus was besteht eine künstliche Herzklappe?

Zu Beginn der 70er Jahre beschrieb der Amerikaner Roberts den idealen Herzklappenersatz in sechs Punkten:

  1. Unbegrenzte Haltbarkeit;
  2. normale Blutflussbedingungen im Gefäss (es sollte kein Druckunterschied vor und nach der Herzklappeneinpflanzung bestehen sowie ein normaler Blutstrom - ungehindert durch den Herzklappenersatz);
  3. keine herzklappenbedingte Komplikationen wie erhöhte Thrombogenität (Gerinnselbildung), keine erhöhte Endokarditis-Anfälligkeit (Herzinnenhautentzündung) sowie keinen Nachteil auf die Lebensdauer der Blutbestandteile;
  4. keine prothesenbedingten Komplikationen (Bügelbrüche, klappenbedingte Defekte);
  5. einfach einzupflanzen;
  6. geräuscharme und somit komfortable Herzklappenimplantate.

Mittlerweile sind Herzklappen entwickelt worden, die eine im Labor nachgewiesene Lebensdauer von 150 Jahren haben. Die hämodynamischen Verhältnisse sind annähernd vergleichbar mit denen natürlicher Herzklappen. Die klappenbedingten Komplikationen wie Gerinnselbildung sind nahezu verschwunden, prothesenbedingte Komplikationen aufgrund einer hervorragenden Weiterentwicklung praktisch nicht mehr aufgetreten. Die mechanischen Herzklappen sind relativ einfach einzupflanzen und das Klappengeräusch der mechanischen Herzklappe wird gut vom Patienten toleriert, da diese - zumindest für die Umwelt - relativ geräuscharm sind.
Klappenflügel und Klappenring mechanischer Herzklappen bestehen aus Graphit, das mit pyrolytischem Kohlenstoff beschichtet ist. Wegen seiner Härte und Dauerhaftigkeit sowie wegen seiner Resistenz gegen ein Anhaften von Blut eignet sich pyrolytischer Kohlenstoff als Material für Herklappenkomponenten in idealer Weise. Eine weisse Polyestermanschette dient dazu, die Klappenprothese im Herzen zu befestigen.

Die biologische Herzklappe
Als biologische Herzklappen werden Prothesen bezeichnet, die aus den Aortenklappenflügeln von Schweinen oder dem Herzbeutel von Rindern zusammengesetzt werden. Das Gewebe wird zur Fixierung chemisch behandelt und meistens auf einem Kunststoff-Gerüst (Stent) befestigt, der von einer Polyestermanschette umgeben ist, um das Einnähen zu erleichtern. Aber auch gerüstfreie biologische Herzklappen - ebenfalls aus intakten Aortenklappen vom Schwein gefertigt - werden für den Herzklappenersatz herangezogen.

Alle Herzklappen der jüngsten Generation haben das FDA-Gütesiegel (ein amerikansiches Gütesiegel), d.h. dass diese Herzklappen einer hohen Qulitätskontrolle unterliegen und mit einer entsprechenden Qulitätsgarantie implantiert werden können.

PD Dr. med. Heinrich Körtke† (Herzzentrum NRW, Bad Oyenhausen)

(Juli 2005)