Was bedeutet: Operiert nach Ross?

Früher beschränkten sich operative Eingriffe an den Herzklappen im wesentlichen auf geschlossene Kommissurotomien (Sprengungen) einer stenosierenden Mitralklappe. Mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine sind seit 1953 Operationen am geöffneten oder stillgelegten Herzen möglich. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung geschaffen, durch zeitweiligen Ersatz der Pumpfunktion des Herzens, Operationen am offenen Herzen durchzuführen.
Seit dieser Pionierleistung sind zahlreiche Modelle von Kunststoffklappen und Bioprothesen entwickelt und mittlerweile implantiert worden. Auf dem Sektor der modernen mechanischen Herzklappen stehen sogenannte Monokippdeckelventile oder Ventile nach dem Doppelflügelprinzip zur Verfügung.
Die neuen biologischen Herzklappen sind gerüstlos, d.h. sie sind nicht gerüstmontiert wie die älteren biologischen Herzklappen.
Zusätzlich gibt es sogennante Homografts. Dies sind Herzklappen, welche menschlichen Herzen entstammen. In erster Linie wird in der Transplantations-Chirurgie dem explantierten Herzen diese Klappe entnommen. Bei Eignung wird sie zur Implantation freigegeben.
Donald Ross entwickelte 1967 ein weiteres Verfahren, erkrankte Herzklappen zu ersetzen. Im Falle einer Aortenklappenerkrankung wird die eigene gesunde Pulmonalklappe entnommen und in die Aortenklappenposition eingebaut. Für die explantierte Pulmonalklappe wird ein sogenannter Homograft (menschliche Herzklappe) implantiert. Somit wird die erkrankte Aortenklappe durch die eigene gesunde Pulmonalklappe ersetzt, und ein menschlicher Homograft wird in die entnommene Pulmonalposition eingesetzt.
Dieses Verfahren zeichnet sich durch eine deutlich verlängerte Operationszeit aus und wird nur von ganz wenigen Herzchirurgen in Deutschland durchgeführt, obwohl die sogenannten Ross-Operation sicherlich in vielen herzchirurgischen Zentren möglich wäre.
Allerdings sind bis heute noch viele Stellungnahmen gegen dieses Verfahren zu verzeichnen. Einmal liegt es an der relativ langen Operationszeit. Vorgeschädigte Herzen sollten mit kurzen Operationszeiten, insbesonder kurzen Ischämiezeiten (Zeit der Blutleere des Herzens) versorgt werden, um grösseren Schaden von den Patienten abzuwenden. Zum anderen meldet der eine oder andere Herzchirurg Bedenken bei der Explantation (Entnahme) einer gesunden Herzklappe an, um sie in die Position einer zerstörten Klappe zu bringen.

Auch fehlen bis zum heutigen Tage grössere Langzeitbeobachtungen mit akzeptablen Ergebnissen zwischen einem herkömmlichen normalen Klappenersatz und der Ross-Operation.

PD Dr. med. Heinrich Körtke† (Herzzentrum NRW, Bad Oyenhausen)

(Juli 2005)