Welche Herzklappe setzt der Kardiochirurg ein?

Wann biologische, wann mechanische Herzklappen?

Biologische Herzklappen im eingepflanzten Zustand sind nur begrenzt haltbar, weil die Verkalkung die Klappensegel beeinflusst, d. h. die Klappensegel sind nach ca. acht bis zehn Jahren nicht mehr funktionstüchtig. Besonders ausgeprägt ist die schnelle Verkalkung der biologischen Herzklappen bei jüngeren Patienten. Daher wird die Implantation von biologischen Herzklappen erst im fortgeschrittenen Alter (über 70 Jahre) vorgenommen, um ein zweites Auswechseln der Klappe nicht mehr vornehmen zu müssen. Patienten die ein hohes Blutungsrisiko haben, erhalten eher einen biologischen Herzklappenersatz. Patienten mit einem bestehenden Vorhofflimmern - eine rhythmische Unregelmässigkeit auf Vorhofebene, die einer Blutgerinnungstherapie bedarf - erhalten häufig auch im höheren Alter einen mechanischen Herzklappenersatz. Ein mechanischer Herzklappenersatz bedarf einer lebenslangen gerinnungshemmenden Therapie. Allerdings besitzen mechanische Herzklappen gegenüber den biologischen Herzklappen den grossen Vorteil der längeren Haltbarkeit. Biologische Herzklappen haben eine mittlere Lebensdauer von etwa 10 bis 12 Jahren. Sollte ein hohes Risiko zur Wiederoperation bestehen, neigen wir auch dazu, eine mechanische Herzklappe zu empfehlen. Herzklappen-Patienten mit mechanischen Herzklappen können heutzutage die Blutgerinnung selbst bestimmen. Somit ist das Gerinnungshemmer bedingte Handicap einer mechanischen Herzklappe eher zu minimieren.

Monokippscheibe oder Doppelflügelprothese?
Bei der Wahl einer mechanischen Herzklappe kann der Kardiochirurg zwischen einer Monokippscheibe und einer Doppelflügelprothese entscheiden. Welcher Herzklappentyp zum Einsatz kommt, wird häufig zuvor mit dem Patienten besprochen. Es gibt differentialtherapeutische Ansätze für eine Monokippscheibenprothese bzw. für eine Doppelflügelprothese. Hierüber wird erfahrungsgemäss der betroffene Patient ausführlich von seinem behandelnden Kardiochirurgen informiert werden. Beim Mehrklappenersatz ist die Kombination einer Monokippscheibe mit der einer Doppelflügelprothese eher die Ausnahme. Ein bautechnischer Unterschied zwischen einer küstlichen Aorten-, Mitral-, Trikuspidal- oder Pulmonalklappe besteht nicht. Der einzige Unterschied besteht im Durchmesser der Klappen, der sog. Prothesengrösse. Die benötigte Klappengrösse wird während der Operation festgestellt und hängt von den jeweiligen anatomischen Gegebenheiten des Herzens ab. Eine typische mechanische Aorten- bzw. Mitralklappe gibt es zur Zeit nicht.

Das Einpflanzen einer künstlichen Herzklappe in Kombination mit einer klappenerhaltenden Massnahme wird häufig durchgeführt. Insbesondere dann, wenn zusätzlich die Trikuspidalklappe erkrankt ist. In den meisten Fällen lässt sich die Trikuspidalklappe wieder herstellen, so dass auf eine künstliche Herzklappe verzichtet werden kann.

PD Dr. med. Heinrich Körtke† (Herzzentrum NRW, Bad Oyenhausen)

(Juli 2005)