INR-Selbstmanagement – Was bedeutet das?

21 Jahre Quick-Wert-Selbstbestimmung

Als der damals 23jährigen Studentin Heike Möller-Jung eine künstliche Mitralklappe eingepflanzt wurde, begann für sie ein Leben, welches von ihrer künstlichen Herzklappe bestimmt wurde. Alles richtete sich danach, wann die nächste Quick-Wert-Kontrolle in der Arztpraxis anstand. Aufgrund der Einnahme von Gerinnungshemmern fühlte sie sich in ihren Aktivitäten eingeschränkt. Sport und Reisen gehörten nicht mehr zu ihrem Leben. Sie fühlte sich nicht mehr mobil, sondern eingeengt. Dieser Zustand belastete sie psychisch sehr stark. Und mit dieser Belastung kam die Abneigung gegenüber den notwendigen Gerinnungskontrollen. Hinzu kam, dass die Quick-Werte sich an ihrem Studienort immer schwerer einstellen liessen.

In diesem persönlichen Dilemma kam ihr die Idee, nach einer Möglichkeit zu suchen, den Quick-Wert selbst zu kontrollieren. Bei ihrem Arzt fand sie mit ihrer Idee zunächst keine Unterstützung.

1986 stiess sie auf das KC1A-Gerät der Firma Amelung, das auch für die Quick-Wert-Selbstbestimmung verwendet werden konnte. Sie erwarb das Gerät und erlernte als Erste die Quick-Wert-Selbstkontrolle. Natürlich bestanden erst Zweifel, ob sie die Dosisanpassung richtig durchführte.

Als sie ihrem Hausarzt darüber berichtete, dass sie den Quick-Wert nun selbst bestimmte, war »das Staunen des Arztes gross, die Freundlichkeit jedoch klein«. Für Heike Möller-Jung bedeutete das Erlernen der Selbstbestimmung eine grosse Erleichterung des täglichen Lebens, konnte sie doch nun ihr Studium ohne zusätzliche Einschränkung fortführen. Und beruhigend war, dass 90 % ihrer Quick-Werte im »individuellen therapeutischen Bereich« lagen.

Anfang 1986 stellte Frau Möller-Jung anlässlich eines Patienten-Seminars in der Herz-Kreislauf-Klinik Bad Berleburg die Möglichkeit der Quick-Wert-Selbstbestimmung vor. Frau Dr. C. Halhuber, damalige ärztliche Direktorin der Herz-Kreislauf-Klinik, griff die Idee auf, da sie erkannte, dass hiermit dem Herzklappen-Patienten ein grosses Mass an Freiheit gegeben werden würde. Die ersten Schulungen wurden Ende 1986 während der Rehabilitationszeit der Herzklappen-Patienten durchgeführt.

 

 

 

Langzeitstudien belegen Qualität der Gerinnungs-Selbstkontrolle
Anhand diverser Studien sollte herausgefunden werden, ob die Gerinnungs-Selbstkontrolle Vorteile gegenüber der Gerinnungs-Kontrolle durch den Arzt bietet. So belegte die Studie von Frau Dr. Angelika Bernardo, Gais, Schweiz, dass nach acht Jahre aktiver Gerinnungs-Selbstkontrolle 93 % der selbst gemessenen Werte im »therapeutischen Bereich« lagen. Die von J. E. Ansell 1995 in den Vereinigten Staaten durchgeführte Studie weist ähnlich gute Ergebnisse mit 88,6 % auf. Die ESCAT-Studien (I und II), durchgeführt von Prof. Dr. med. R. Körfer und Dr. med. H. Körtke, Herzzentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen, belegt dass 80 % der selbst durchgeführten Messungen im »therapeutischen Bereich lagen«. Hierbei handelt es sich um eine Studie, in der Patienten bereits unmittelbar nach ihrer Herzklappenoperation an die Gerinnungs-Selbstkontrolle herangeführt werden und die Dosisanpassung der Gerinnungshemmer selbständig durchführen.

Aufgrund der selbständig durchgeführten Dosisanpassung der Gerinnungshemmer spricht man heute vom Gerinnungs-Selbstmanagement. 

Christian Schaefer, Ratingen (2007)