INR-Selbstmanagement – Messgenauigkeit

Messgenauigkeit der CoaguChek S - Geräte / Wertediskrepanzen
CoaguChek® S hat sich in den Evaluierungsstudien in Präzision und Richtigkeit als äußerst zuverlässig bewährt. Auftretende Messwertediskrepanzen (INR/Quickwerte) zu anderen Systemen sind begründet in der unterschiedlichen Faktorenempfindlichkeit der verschiedenen Reagenzien (Thromboplastine) und den Schwankungen bei der Kalibrierung der einzelnen Reagenzienchargen. Dabei finden sich INR-Abweichungen bis zu 20 % !

Als Faustregel gilt :
Je größer der INR Wert, desto größer die möglichen Abweichungen, z. B.:

  • INR 2,5 mögliche Abweichungen 0,1 - 0,5
  • INR 2,5 bis 4,5 mögliche Abweichungen 0,5 - 0,9
  • INR 4,5 mögliche Abweichungen 1,0 - 2,0

Diese sind auf die literaturbekannten Unterschiede zwischen Reagenzien auch im INR-Bereich zurückzuführen (Schmitz et al., 1995). Die zunehmende Erfahrung mit INR zeigt, dass die durch die unterschiedliche Faktorsensivität der Reagenzien bedingten Messwertversätze auch durch die Anwendung von INR statt % Quick nicht vollständig ausgeglichen werden (Ng et al., 1993). Es sind weiterhin Versätze von 1.0 INR und mehr zwischen verschiedenen Reagenzien zu beobachten, mit zunehmender Abweichung im Bereich höherer INR-Werte (Cunningham et al., 1994; Schmitz et al., 1995). Unterscheiden sich die Messwerte z.B. mit zwei verschiedenen Reagenzien um 1.0 INR, so liegt der Patient mit dem Reagenz A möglicherweise außerhalb seines Zielbereichs, während er mit dem Reagenz B im Zielbereich liegt.
So verständlich die Beunruhigung und das Mißtrauen der Patienten in die mit CoaguChek® S gemessenen Werte auch ist, so sind solche individuellen Abweichungen doch nicht zu vermeiden. Sie liegen im System der PT-Messung selbst. Daher lautet die Empfehlung der Experten, bei der Kontrolle und gegebenenfalls erforderlichen Anpassung der Marcumardosierung immer das gleiche Messsystem zu verwenden. Beim CoaguChek® S handelt es sich um ein sehr empfindliches System, d.h. schon kleinere Verminderungen in der Aktivität der Gerinnungsfaktoren führen zu längeren Gerinnungszeiten und damit zu höheren INR-Werten bzw. niedrigeren Quick-Werten. Wird die CoaguChek® S Messung mit einem weniger empfindlichen Laborreagenz verglichen, das diese Änderungen in der Faktoraktivität nicht oder weniger gut erkennt, so können daraus erhebliche Unterschiede in der gemessenen Gerinnungszeit resultieren. Dies ist kein Spezifikum des CoaguChek Systems, sondern gilt auch für die Laborreagenzien untereinander (Roussi et al., 1994; Gosselin et al., 1997). Reagenzien mit einem niedrigen ISI (International Sensitivity Index) sind empfindlicher als solche mit einem hohen ISI und messen längere Gerinnungszeiten (Hirsh et al., 1998). Auch zwischen zwei derartigen Reagenzien im Labor können beim gleichen Patienten Unterschiede von mehr als einer INR-Einheit auftreten (Adcock und Duff, 2000). Selbst mit Reagenzien gleicher Faktorsensivität (ISI = 1.0) können Unterschiede in den INR-Werten von bis zu 0.5 auftreten (Ng et al., 1998). Alle derzeit im Handel befindlichen Geräte für die Selbstkontrolle weisen Abweichungen im Vergleich zu Laborreagenzien auf, meist zu höheren INR-Werten (Gosselin et al., 2000; Oral Anticoagulation Monitoring Study Group, 2001). Dennoch führt das Selbsttesten zu einer besseren Einstellung des Patienten in seinem therapeutischen Zielbereich und liefert damit einen bedeutenden Beitrag zur therapeutischen Sicherheit des Patienten.
Ergänzend möchten wir Ihnen noch einige Hinweise zur Abklärung diskrepanter INR-Ergebnisse zwischen CoaguChek und Labor geben:

1. Vermeiden Sie bei der Selbstbestimmung mögliche Fehlerquellen:
- Nehmen Sie an der gleichen Einstichstelle nicht mehrmals Blut ab.
- Quetschen Sie das Blut nicht aus der punktierten Hautöffnung heraus.
- Stechen Sie erst in den Finger, wenn Sie den gewonnenen Blutstropfen auch sofort (innerhalb von 15 sec) auftragen können.
2. Vergleichen Sie nie Einzelwerte. Zur Bewertung der Abweichungen sind unbedingt mehrere Messwertangaben (mindestens drei unabhängige Wiederholungen) notwendig.
3. Die geeignetste Labor- und Vergleichsmethode zu CoaguChek S ist die Hepato-Quick Laborbestimmung.
4. Alkohol-/Seifenreste auf der Haut können einen falsch positiven Werteversatz hervorrufen.
5. Wertedrifts finden wir besonders auch bei Hämatokritwerten unter 32% bzw. über 52%.
6. Lupus Antikörper in der Blutprobe (ev. durch Analysen abklären) können in einem Zusammenhang mit positivem INR-Werteversatz stehen.
7. Eine mögliche Beeinflussung der INR-Werte durch zusätzlich eingenommene Medikamente ist in Betracht zu ziehen.
Letztendlich sollte die Frage nach dem möglichen INR Zielbereich und der einzusetzenden Bestimmungsmethode in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt, dem die individuelle Anamnese vorliegt, überprüft und festgelegt werden.
Für weitere Fragen steht Ihnen gerne unser CoaguChek Kunden Service Center (Tel. 0180/2000164) zur Verfügung .

Zitierte Literatur:
Gosselin R., Owings J. T., White R. H., Hutchinson R., Branch J., Mahackian K., Johnston M., Larkin E. C. (2000): A comparison of Point-of Care instruments designed for monitoring oral anticoagulation with standard laboratory methods. Thromb Haemost 83:698-703.
Hirsh J., Dalen J. E., Anderson D. R., Poller L., Bussey H., Ansell J., Deykin D., Brandt J. T. (1998): Oral Anticoagulants. Mechanism of action, clinical effectiveness and optimal therapeutic range. Chest 114:445S-469S.
Roussi J., Drouet L., Samama M., Sié P. (1994): French Multicentric evaluation of Recombinant Tissue Factor (Recombiplastin) for determination of Prothrombin Time. Thromb Haemost 72:698-704.
Adcock D. M., Duff S. (2000): Enhanced standardization of the international Normalized Ratio through the use of plasma calibrants: a consice review. Blood Coagulation and Fibrinolysis 11:583-590.
Schmitz L. I., Olson S. L., Shapiro R. S., Mc Cormick S. R., Kubic L. (1995): Failure to generate comparable International Normalized Ratio values using five different Thromboplastin Reagents in parallel studies of patients receiving Warfarin. Clin Appl Thrombosis / Hemostasis 1:142-150.
Ng V. L., Valdes-Camin R., Gottfried E. L., Echaves S. A., Stead A. G., Ebert R. F. (1998): Highly sensitive thrombolastins do not improve INR precision. Am J Clin Pathol 109:338-346.
Gosselin R. C., Owings J. T., Lin J., Wong L., Larkin E. (1997): Failure of the international normalized ratio to mitigate system and reagent biases. Blood 90 (Suppl.): 94b-95b.
Oral Anticoagulation Monitoring Study Group (2001): Prothrombin measurement using a patient self-testing system. Am J Clin Pathol 115:280-287.
Ng V. L., Levin J., Corash L., Gottfried E. L. (1993): Failure of the International Normalized Ratio to generate consistent results within a local medical community. Am J Clin Pathol 99:689-694.
Cunningham M. T., Johnson G. F., Pennell B. J., Olson J. D. (1994): The reliability of manufacturer-determined instrument-specific International Sensitivity Index values for calculating the International Normalized Ratio. Am J Clin Pathol 102:128-133.