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Endokarditis und vergrößerte Herzkammer


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7 Antworten in diesem Thema

#1 michel

michel

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Geschrieben 27 September 2002 - 20:56

Nach einer im November 2001 durchlaufenden, aber von den Ärzten nicht erkannten (!) Endokarditis (Herzklappenentzündung) mußte ich mich im Januar 2002 einer sehr eiligen Herzklappenoperation (Aortenklappe) unterziehen.
Da sich der Zustand meines Herzens von November bis Januar enorm verschlechtert hatte, aber nicht behandelt wurde, hat sich als Folge davon die linke Herzkammer deutlich vergrößert. Der Herzmuskel war sehr geschwächt.
Nach der OP darf ich bis heute keinen "normalen" Sport betreiben, nehme zusätzlich zu Marcumar noch ACE-Hemmer und Beta-Blocker ein, um das Herz zu stärken.
Mein Leben hat sich daher bis heute nicht vollständig normalisiert. Neben der seelischen Belastung kommt hinzu, daß ich, sobald ich größeren körperlichen Anstrengungen ausgesetzt bin, physische Beschwerden bekomme. Aufgrund meines doch noch jungen Alters (37 Jahre) frustrieren mich die langsamen Fortschritte enorm. Wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht?

Gruß Michael :(

#2 andreas

andreas

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Geschrieben 28 September 2002 - 09:34

Hallo Michael,

auch bei mir (35 Jahre alt) war der linke Herzmuskel durch eine Aorteninsuffizienz stark vergrößert (68mm). Da ich in kardiologischer Behandlung schon vor der OP war, konnte die ständige Vergrößerung des linken Herzens genau beobachtet werden und ich wurde dann im Juli 2001 operiert (Aortenklappenersatz). Relativ zügig nach der OP hatte sich dann der linke Herzmuskel in eine wieder normale Größe von 55mm zurückgebildet, so daß man sagen kann, daß die OP zur rechten Zeit erfolgte. Nach nun gut 15 Monaten nach der OP muß ich sagen, daß es mir wieder gesundheitlich gut geht, wobei ich allerdings erwähnen muß, daß ich auch vor der OP keine Beschwerden hatte. Bis auf die normalen Symptome wie Herzrasen, Brust-und Narbenschmerzen, sowie gelegentliche Scwankungen des INR-Wertes bin ich wieder hergestellt und stehe voll im Berufsleben (kaufm. Angestellter). Lediglich meine stark erweiterte Hauptschlagader, die bei der OP nicht ersetzt wurde bereitet mir etwas Sorge, da es durchaus sein kann (aber nicht muß), daß ich irgendwann deshalb noch mal operiert werden muß. Mich würde mal interessieren, ob sich denn auch bei Dir Dein Herz wieder größenmäßig zurückgebildet hat, und ob man weiß, was Deine Endokarditis hervorgerufen hat, denn vor einer derartigen Herzentzündung haben wahrscheinlich alle Forum-Teilnehmer hier immer ein bißchen Angst.
Gruß Andreas

#3 Moni

Moni

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Geschrieben 29 September 2002 - 10:24

Hallo Michael,

meine OP war im April 2000, da wr ich 45 Jahre die Herzkammer war auch stark vergrößert. Da ich nach der OP einen sehr großen Perikarderguß hatte, bin ich lange überwacht worden (häufige Ultraschalluntersuchungen) bei der letzten im Dezember 2000 hatte sich dei Vergrößerung schon zurück gebildet. Allerdings bis heute nicht vollständig. Ich fahre aber wieder Fahrrad und mache im Urlaub leichte Berwanderungen, allerdings bekomme ich bei starker Belastung auch immer wieder starkes Herzklopfen was mich dann verunsichert. Insgesamt geht es mir aber besser als vor der OP da kam ich keine Treppe mehr hoch.
Ich nehme auch Betablocker, ACE-Hemmer und laut meines
Kardiologen werde ich die wohl immer nehmem müßen.
Bei der Klappenentzündig sind da keinerlei Beschwerden aufgetreten? Wie ist diese letztendlich erkannt worden?

Gruß Moni

#4 HRM

HRM

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Geschrieben 03 Oktober 2002 - 21:12

Hallo,

Ich musste im Februar dieses Jahres auch sehr schnell operiert werden, nachdem sich die linke Herzkammer auf 73 mm vergrößert hatte.
Ich habe auch, obwohl ich die OP sehr gut überstanden habe, teilweise massive Beschwerden, die deiner Beschreibung recht ähnlich sind und die mich sehr verunsichert haben.
Es dauert vermutlich recht lange bis sich das Herz regeneriert. Dabei kann es sich sogar sogar um einen langjährigen Prozess handeln, je nach dem wie dei Vorschädigung des Herzen war. Mittlerweile weiß ich, dass man sich in Geduld üben muss und das die Fortschritte langsam aber immerhin stetig vonstatten gehen. Ich will nicht sagen, dass ich mich an die Beschwerden gewöhnt habe, allerdings kann ich in letzter Zeit etwas besser damit umgehen, da ich auch kleinere Fortschritte als Erfolg werte. Gewisse Ängste sind aber auch nach wie vor stark vorhanden.

Gruß HRM

#5 michel

michel

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Geschrieben 04 Oktober 2002 - 18:52

Hallo liebe Teilnehmer,
vielen Dank für die drei Antworten und erneuten Fragen, auf die ich zusammenfassend eingehen möchte.
Angefangen hat meine Krankheit im Oktober 2001 mit den Symptomen Gewichtsverlust, Schwindel sowie hin und wieder erhöhter Temperatur (rheumatisches Fieber wie sich später herausstellte).
Nach einigen Wochen besserten sich die Beschwerden nicht - man dachte anfangs an eine Erkältung - und mein Hausarzt ordnete eine Blutuntersuchung an. Die Resultate zeigten, dass meine Blutwerte absolut chaotisch waren und ich musste zwecks weiterführender Untersuchungen ins Krankenhaus. Dort wurde ich quasi auf den Kopf gestellt und man fand heraus, dass sogenannte "Enterokokken" (Bakterien) auf welchem Weg auch immer in mein Blut gelangt waren. Bis heute gibt es keine Erklärung dafür, wie diese Erreger in meinen Blutkreislauf gelangen konnten und ich zermartere mir oft erfolglos den Kopf.
Diese Bakterien schädigten vom Krankenhaus unerkannt meine Aortenklappe. Ich nahm daher weiterhin an Gewicht ab, der Schwindel blieb ebenfalls und mein Blutdruck sank immer tiefer (60 zu 40). Desweiteren verspürte ich häufig ein Druckgefühl in der Brustgegend und im linken Arm.
Als der Schwindel so stark wurde, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten konnte, kam ich erneut in ein anderes Krankenhaus, wo die stark vorangeschrittene Schädigung der Herzklappe erkannt wurde (Aortenklappeninsuffizienz 4. Grades). Nach Aufenthalt auf der Intensivstation wurde ich zügig in Münster operiert.
Von der eigentlichen OP habe ich mich relativ erholt, allerdings bereiten mir körperliche Anstrengungen enorme Mühe. Die Herzkammer ist wieder kleiner geworden, allerdings noch nicht auf ihre normale Größe geschrumpft. Es bleibt auch fraglich, ob dies jemals wieder der Fall sein wird. Dies ist natürlich für mich sehr frustrierend, da es hätte verhindert werden können.
Freue mich über eine weitere angeregte Diskussion!

#6 Christian Schaefer

Christian Schaefer

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Geschrieben 05 Oktober 2002 - 14:07

Hallo allen Diskussionsteilnehmern,
ich feiere heute meinen 15. Aortenklappengeburtstag. Zurückblickend erging es mir nicht anders als in den einzelnen Stellungnahmen beschrieben. Ich war damals 46 Jahre alt, selbständig, zwei Kinder in der Schule - eben alles was zum Familienleben dazugehört.
Kardiologische Untersuchungen wiesen in den 80er angebich auf keinen Klappenfehler hin. Maßnahmen wie "Machen Sie mal Urlaub" - war alles.
Dann setzte zunehmend Schwindel ein, unter Belastung Luftnot, Treppensteigen wurde zur Qual weil ich oben schweißgebadet ankam.
Dann plötzlich morgens eine Tachykardie - Krankenhaus - Intensivstation. Diagnose Herzvitium. Testament sollte verfasst werden, was wir taten; dann Kammerflimmern- Gottsei Dank auf der Intensivstation. Herzkather in einem anderen Krankenhaus. Und plötzlich große Eile, da eine Aorteninsuffizienz Schweregrad III bis IV bestand.
Nach der OP ging es sehr langsam aufwäts. Auch nach drei Jahren konnte ich feststellen, dass es immer noch weiter bergauf geht.
Heute plagen mich auch hin und wieder Ängste, wenn das Herz nachts extrem laut schlägt, oder plötzlich unerwartet Herzrhythmusstörungen auftreten. Unser Herz ist unser Zielorgan. Jegliche Reaktion nehmen wir eher wahr als andere. Gewöhnen an einen Normalzustand wird man sich sicherlich nicht – dafür war der Eingriff ein zu großer Lebenseinschnitt.
Zur Fitness kann ich nur sagen: Irgendwann fing ich wieder langsam an zu joggen. Tennisspielen habe ich aufgegeben. Doch seit einiger Zeit bin auf Walken umgestiegen. Hier kann ich nur jedem raten. Walken macht fit.
Wir werden heute abend einen guten Rotwein trinken und morgen freue ich mich schon auf die nächste INR-Bestimmung.
Allen herzlichen Grüße
Christian

#7 Birger

Birger

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Geschrieben 18 Oktober 2002 - 20:52

Hallo, Michael,
ein Kardiologe berichtete mir kürzlich von einem Fachkongreß, auf dem von einer Studie berichtet wurde, derzufolge sich der Herzmuskel sogar noch nach 10 Jahren zurückbildet. Die üblicherweise angegebene Frist beträgt m.W. 6 Monate.
Ich selbst (Aortenklappenersatz Mai 2002) hatte übrigens im Frühjahr einen oberen Diameterwert von 7, 6 cm (jetzt noch 5,8 cm). Vielleicht sind ja beide Mitteilungen zusammen eine kleine Aufmunterung.

Birger

#8 Thomas Steib

Thomas Steib

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Geschrieben 24 November 2002 - 19:21

:roll:
Hallo, bei mir war auch eine nicht erkannte Endokartitis zusätzlich zum bekannten Herzklappenfehler ( mindestens 5 Jahre) die Ursache für einen rapiden Leistungsabfall meines gesamten Körpers, Gewichtsverlust, keine körperliche Leistungen, Atemnot, Appetitlosigkeit,
ich wurde während einer starken Erkältung (Grippe) immer schwächer, auch eine Behandlung mit Antibiotika hat nichts gebessert,
der Kardiologe stellte schließlich einen Ausstoß von 26% in die Körper-Aorta fest, es ging dann alles sehr schnell, ich wurde im April 2000 in der Zentralklinik in Bad Berka operiert, Doppelklappe carbometics sowie 2xBypass, es war wirklich höchste Zeit, wie mir der Chefarzt bescheinigte,
die Endokartitis wurde erst bei der OP erkannt,
heute habe ich mit meiner körperlichen Leistungsfähigkeit fast keine Probleme, aber psychisch vergisst man solche einschneidenden Erlebnisse wahrscheinlich nicht mehr, man bleibt wahrscheinlich immer etwas sensibel für alles, was um die Gesundheit geht und besonders in Sachen Herz, ich bin froh, mit Menschen, die ähnliches durchgemacht haben, darüber sprechen zu können,

bis bald an gleicher Stelle,

:lol: Thomas


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