Das Leben mit der künstlichen Herzklappe und Gerinnungshemmern
In Deutschland leben etwa 900 000 Menschen unter dauerhafter bzw. lebenslanger Antikoagulation, davon etwa 100 000 mit künstlicher Herzklappe.
Das Leben mit einer künstlichen Herzklappe schränkt nicht die Lebensqualität ein - bedarf aber gewisser Vorsichtsmaßnahmen. Zu diesen unabänderlichen Maßnahmen zählt die lebenslange Einnahme von Gerinnungshemmern. Diese besondere Situation ist bei künstlichen Herzklappen gegeben. Das Klappenmaterial ist ein High-Tech-Material mit einer extrem glatten Oberfläche, die nicht der natürlichen Oberfläche der „alten“ Herzklappe ähnelt.
Die künstliche Herzklappe wird vom Organismus nicht als Wunde, sondern als „fremde Oberfläche“ erkannt. Damit wird im Körper eine Gerinnung angestoßen, die, wenn sie nicht gehemmt werden würde, weitere Gerinnungsfaktoren aktiviert und Gerinnselbildungen an der künstlichen Herzklappe die Folge wären - mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Gesundheit.
Alles zu diesem Thema aber auch über das Leben mit der künstlichen Herzklappe selbst finden Sie auf dieser Website.
Im Namen aller Autoren möchte ich mich für Ihr Interesse bedanken.
Christian Schaefer
Arbeitskreis Herzklappen- und Gerinnungs-Patienten
INR-Selbstmanagement und Telemedizin – PD Dr. med. Heinrich Körtke, Herzzentrum NRW antwortet:
20. Jahrestagung der GSB'ler
Zum 20. Mal treffen sich am 4. Mai 2013 die Gerinnungs-Selbstbestimmer zu ihrer Jahrestagung in Höhenried. Auch diesmal bietet Dr. med. Dirk Michel wieder ein interessantes Programm an. Die eingeladenen Referenten (PD Dr. med. Sigmund Braun, Dt. Herzzentrum München; Dr. med. Christia Bongarth, Chefärztin Klinik Höhenried; Dr. Frank Deickert; Prof. Dr. med. Stefan Sack, Klinik München-Schwabing; Prof Dr. med. Michael Spannagl, LMU-Hämostasiologie) werden ab 09.30 in der Klinik zu folgenden Themen Stellung nehmen:
Die"direkten" oralen Antikoagulanzien, Antiaggregation und Antikoagulation - wann ist beides erforderlich?; Patientenstimmen zu Phenprocoumon im Zeitalter der "neuen" Gerinnungshemmer; Patientenforum - Fragestunde; Erfahrungen einer Universitätsklinik zu den "neuen " Gerinnungshemmern; 30 Jahre INR der WHO und 25 Jahre GSB in Bayern.
Anmeldung: Dr. med. Dirk Michel, Klinik Höhenried gGmbH, 82374 Bernried
Orale Gerinnungshemmung – Patientengerechte Therapiewahl
Mit Einführung den neuen oralen Gerinnungshemmer (NOAC) hat sich das therapeutische Spektrum bei Patienten mit erhöhtem Risiko für thrombembolische Ereignisse (Schlaganfall) erweitert. Welche Rolle spielen das Gerinnungs-Selbstmanagement und die Therapie mit Phenprocoumon (z.B. Marcumar®/Falithrom®) nach der Einführung der neuen Substanzen? Den aktuellen Stand fasst Prof. Dr. med. J. Bauersachs von der Medizinischen Hochschule Hannover für cardio-symposium.de zusammen.
Es handelt sich um einen 30 min. dauernden Vortrag der als Fortbildung für Ärzte gedacht ist (3 CME-Punkte). Für interessierte Patienten und Ärzte der Link:
http://www.cardio-symposium.de/index.php?menu=view&source=lectures&sourceid=102&id=330
Was versteht man unter "First Line" in der Medizin?
Seit nunmehr fast 50 Jahren ist Phenprocoumon (Marcumar®) - ein sog. Vitamin-K-Antagonist - in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Mittel der ersten Wahl, um die Blutgerinnung zu hemmen. Mit den „neuen Gerinnungshemmern“ (siehe auch ‚Die Gerinnung’ Nr. 48, Seiten 3-5) wird die Palette derjenigen Medikamente erweitert, die zur Behandlung bei tiefen Beinvenenthrombosen oder zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern eingesetzt werden....
...Die Arzneimittelkommission der deutsche Ärzteschaft hat aktuell einen Leitfaden (19.10.2012 http://www.akdae.de/Service/Newsletter/Archiv/News/Archiv/2012-172.html) für die Gerinnungshemmung des Vorhofflimmerns herausgegeben in dem unter anderem steht: „Die INR-Selbstbestimmung verbessert die Behandlungsqualität, die sich unter anderem in einer Reduktion von thrombembolischen Ereignissen ausdrückt.“
Gerinnungshemmung und Patientenmitarbeit gehören zusammen.
Dr. med, Hugo ten Cate bringt es auf den Punkt: „Die Lebensqualität sowie die Zeit im therapeutischen INR-Bereich können positiv durch das Selbst-Management beeinflusst werden“ (Thrombosis and Haemostasis 107.5/2012).
Vorhofflimmern und Panikattacken
Beschrieben wird eine häufige Symptomatik und Problematik.
PD Dr. med. Jan Steffel, Oberarzt Kardiologie/Rhythmologie, Klinik für Kardiologie,, Universitätsspital Zürich
Patienten sollte das INR-Selbstmanagement übertragen werden.
Mehr als 70 Jahre ist es her, als Karl Paul Link in den USA das Cumarin synthetisierte. Heute nehmen 1 % bis 2 % der Weltbevölkerung entwickelter Länder Gerinnungshemmer ein, um sich vor arteriellen und venösen Thrombembolien zu schützen so J. Ansell, MD (Circulation. 2012; 125:165-170). Er führt weiter aus: „Die Langlebigkeit eines Medikaments, sogar eines mit vielen Nachteilen wie Warfarin sagt etwas über diesen Wirkstoff aus.
Warum es so wichtig ist, im therapeutischen Bereich zu bleiben.
Wie gut eine INR-Einstellung ist, zeigt die Verweildauer im therapeutischen Bereich. In der Fachsprache wird diese Zeit als TTR (time in therapeutic range) bezeichnet. Mit anderen Worten: Halte ich mich mit meinen INR-Werten sehr lange oder fast ständig im vorgegebenen therapeutischen Bereich auf, um so geringer ist die Rate möglicher Blutungen oder Thromboembolien. E.G. Butchart hat schon 1988 (Circulation Supplement I, Vol 78 No.3, 1988) auf die Gefährlichkeit hoher INR-Schwankungen hingewiesen. 2002 schrieb E.G. Butchart (J Thorax Cardiovasc Surg), dass stabile INR-Werte das Überleben verbessern. Prof. Alan Jacobson, MD (Loma Linda, Kalifornien) hat auf der 7. Internationalen Konferenz der ISMAAP in Lyon (4. bis 5. 11 2011) mit einem eindeutigen „Ja“ Stellung bezogen.
Was bedeutet Niereninsuffizienz für antikoagulierte Patienten?
Im Rahmen operativer Eingriffe ist es bei Patienten unter Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA), z.B. Phenprocoumon (Marcumar®), oft notwendig, die Therapie zu unterbrechen und zwischenzeitlich auf Heparin umzustellen.
Heute werden hierzu in der Regel die sog. niedermolekularen Heparine (NMH) verwendet, die je nach Erkrankung des Patienten dann ein- bis zweimal tgl. unter die Haut (subcutan) gespritzt werden bis zur OP. Vorteil des Heparins ist seine kürzere Wirkdauer (Halbwertszeit), so dass bis kurz vor die OP heran gespritzt und danach auch noch für einige Tage mit Heparin weitergemacht werden kann, bis der Patient wieder gut mit VKA eingestellt ist.

Seit 25 Jahren ein Mehr an Lebensqualität
Ein Mehr an Lebensqualität hat es für Heike Sichmann, der Pionierin des INR-Selbstmanagements, 1986 gegeben. Es war und ist die Unabhängigkeit von ständigen INR-Kontrollen beim Arzt. Dieses „Mehr“ wurde erfolgreich durch Dr. med. Carola Halhuber und Dr. med. Angelika Bernardo umgesetzt, indem sie die Idee des Gerinnungs-Selbstmanagements aufgriffen. Die ersten Patientenschulungen erfolgten in Bad Berleburg, Patientenseminare – zu jener Zeit beispielhaft – erläuterten den Umgang mit Gerinnungshemmern, Patientenratgeber und wissenschaftliche Untersuchungen folgten. Die ersten weltweit vorgelegten Ergebnisse von Dr. med. Angelika Bernardo zeigten, dass 83,1% der von Patienten selbst ermittelten INR-Werte (damals noch Quick-Werte) im Zeitraum von 1986-1992 im therapeutischen Bereich lagen. Die Empfehlungen die damals aus Bad Berleburg kamen, gelten heute noch.
Es war ein weiter Weg, bis Ärzte das INR-Selbstmanagement akzeptierten.
Reisen und Gerinnungshemmer
PD Dr. med. Jürgen Ringwald berichtet über erste Ergebnisse der internationalen Reisestudie, die auf der 55 Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V. (GTH) am 19.2.2011 in Wiesbaden von ihm vorgestellt wurden.
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Deutsches Aortenklappenregister
Aufgrund der steigenden Lebenserwartung benötigen immer mehr Menschen einen Aortenklappenersatz. Derzeit mehr als 12 000 jährlich. Die Herzchirurgie bietet neben dem herkömmlichen mechanischem (2009: 2.146*) den biologischen Aortenklappenersatz (2009: 11.981*) an. Hinzu kommt nun der Ersatz „neue Klappe in die defekte künstlich biologische Aortenklappe“ sowie die TAVI-Therapie (Transkatheter-Aortenklappe-Implantation) (2009: 2.152*[*)Herzbericht 2009]) bei der die neue Klappe entweder über die Leiste oder transapikal (durch die Herzspitze) implantiert wird.
Schulungszentren
Auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Selbstkontrolle der Antikoagulation e.V. (www.asaev.de) finden Sie Schulungszentren die Schulungen zum Erlernen der Gerinnungs-Selbstkontrolle durchführen.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen Gerinnungshemmern und Naturheilmitteln?
Zu den Naturheilmitteln zählen pflanzliche, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel sowie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Fischöl. Pflanzliche Heilmittel haben in Deutschland und der Schweiz den Status eines Arzneimittels. In anderen Ländern werden diese oftmals als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
Lebensqualität der Patienten unter Gerinnungshemmung
Kann man die Lebensqualität von Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, messen?
Dieser Frage ging Prof. Dr. med. Scott Kaatz, Detroit, USA, auf der 5. Internationalen Tagung der ISMAAP/ISMAA am 2. Oktober in Brüssel nach. Er verwies zunächst auf die Möglichkeit antikoagulierte Patienten dahingehend zu motivieren, sich schulen zu lassen, um das INR-Selbstmanagement für eine bessere Lebensqualität zu erlernen.
Verbessern Gentests die Gerinnungshemmung?
Wie schwierig es ist, zu Beginn der Behandlung mit Gerinnungshemmern die richtige Dosis zu finden, können viele Ärzte bestätigen. Es kann Monate dauern, bis die entsprechende Dosierung gefunden ist. Der therapeutische Bereich ist schlecht einstellbar, da die INR-Werte schwanken können. Der Grund liegt in den beiden Genen VKORC1 und CYP2C9. So gibt es Patienten, die ein erhöhtes Ansprechen gegenüber dem Gerinnungshemmer haben, andere Patienten hingegen eine teilweise Abwehr gegenüber dem Gerinnungshemmer aufweisen.
Vom "Rattengift" zum Meilenstein in der Gerinnungshemmung
Der Präsident der Vereinigten Staaten Dwight Eisenhower nahm nach einem Herzinfarkt 1955 Gerinnungshemmer ein. „Was gut für eine Kriegshelden und Präsidenten der Vereinigten Staaten ist, muss gut für alle sein, obwohl es Rattengift ist“ (Duxbury & Poller, 2001).
Aktuelles auf diesen Webseiten
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FAQ
Die Gerinnung Nr. 51 (2013)
Zum Inhalt:
Eigenverantwortlichkeit und Lebensqualität
Operative Eingriffe unter Gerinnungshemmung
Wassertabletten (Diuretika) - Wann, Welche, Warum?
Impfen unter Gerinnungshemmung
Weitere Ausgaben unter: www.die-herzklappe.de/index.php?id=412
Schulungen zur INR-Selbstbestimmung in der Schweiz
Die aktuellen Termine für 2013 finden Sie auf dieser Website unter
INR-Selbstkontrolle: Schulungseinrichtungen.
Telemedizinischer Thrombose-Service
Ziele: Reduktion der Komplikationsrate. Entlastung durch weniger anfallende Blutuntersuchungen in der Praxis.





